Einige Regeln der geistigen Hygiene

Einige Regeln der geistigen Hygiene

Zum Schluß einige Regeln der geistigen Hygiene, die ich in langer Lebenserfahrung ausgearbeitet, aber leider nicht immer befolgt habe. Trotzdem tut es gut, sich seine eigenen Gebote aufzuschreiben; ob ins Notizbuch oder auf die Tafel des Herzens, ist nicht so wichtig. Jeder zu Ende gedachte, ins Bewußtsein erhobene Gedanke formt unser Leben. Eine neue Erkenntnis kann mehr als nur unser eigenes Sein verwandeln.

1. Baue!

Das äußere Haus ist früher oder später fertig. Wer am inneren nicht ununterbrochen baut, wird von den einstürzenden Mauern begraben. Arbeit nicht als Fron, sondern als Selbsterfüllung.

2. Staune!

Wo das Staunen aufhört, hört auch Liebe und Verstehen auf. Wehe denen, die blinden Herzens an der Schönheit der Welt und der Einmaligkeit des sich wandelnden Menschen vorbeigehen.

3. Vertraue!

Mißtrauen zersägt die Lebenswurzeln. Vertrauen stärkt sie. Besser zehnmal enttäuscht werden, als dem Mitmenschen suspekt entgegentreten. Wenn in den gegenseitigen menschlichen Beziehungen das erste das Staunen ist, dann das höchste – das Vertrauen.

4. Erwarte von einem Apfelbaum keine Tannenzapfen und von einer Tanne keine Äpfel.

Der Hagel der Vorwürfe zerschlägt die Äpfel am Apfelbaum und die Zapfen an der Tanne. Die Eigenart des andern erlauschen, dem Du unsere Eigenart nicht aufzwingen.

5. Ehe du dich an einen Menschen bindest, frage dich, ob du seine Fehler ertragen wirst!

Mit den guten Eigenschaften kann jeder zusammenleben. Nur zu leicht vergessen wir, daß der andere ebenso unvollkommen ist wie wir selber.

6. Ehe du dich von einem Menschen trennst, sei der Stunde eingedenk, da du mit ihm am glücklichsten warst!

Es gibt Lichtaugenblicke, die das ganze Leben überstrahlen, Oasen, die den Durst langer Wüstenwanderungen stillen. Wer sie vergißt, war nicht wert, sie zu entdecken und wird sie nie wiederfinden.

7. Gestehe dem Du die ihm notwendige Einsamkeit zu!

Trennungen sind notwendig, um das Nahsein zu erhalten.

8. Nicht zaudern und zagen, sondern handeln & wagen!

Die unangenehmen Dinge am Morgen verrichten, die angenehmen für den Abend aufsparen, auf daß der Vorschmerz kurz, die Vorfreude lang sei.

9. Laß eher den Körper als den Geist darben!

Die Seele ist eine wirkungsreichere Realität als der Körper. Ein Mensch im geistigen Gleichgewicht kann physisches Ungemach bis zu einem gewissen Grad überwinden; hat die Seele ihr Zentrum verloren, stürzt auch der stärkste Athlet in den Abgrund.

10. Für den Tag sich rüsten, zur Nacht Vertrauen fassen!

Beginne und beschließe den Tag mit einer Meditation. Wie du den Körper morgens und abends reinigst, so läutere auch deine Seele, auf daß ihr nicht ein schlechter Geruch entsteige. Achte auf die Diät der Seele.

11. Wisse dich immer als Werkzeug eines Höheren!

Im Käfig des Ichs erstickt man bald. Wer sich freiwillig Gott unterwirft, freiwillig in den Dienst eines guten Menschen oder einer guten Sache stellt, wird sein Leben meistern.

12. Lebe so, als sei jeder Tag der erste und letzte!

Der Tod ist allgegenwärtig, darum entziehe nie eine Freude demjenigen, der sie von dir erwartet, und gewähre sie auch dem Fernstehenden, der sie von dir zu erwarten nicht wagt. Wer die Freude vermehrt, dient Gott.

Lebensmeisterung ist unsere Aufgabe, Lebenserfüllung – Gnade.

Zenta Maurina

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