Die Blume der Freude

Wie muß die menschliche Seele beschaffen sein, um Freude in sich aufzunehmen? Welches sind die Vorbedingungen zu einem Leben, von dem wir nicht am letzten Tage sagen: vergebens!

Unsere Seele muß hellwach und hellhörig sein. Einmal klopft wohl das Glück an das Fenster eines jeden Menschen, doch wer auf das leise Pochen nicht öffnet, hat den großen Augenblick seines Lebens verspielt. Mancher schläft bis in den Mittag hinein und beklagt sich am Abend, daß er Sonnenaufgang und Morgentau nicht erlebte.

Unsere Seele muß bereit sein zum Wagnis, kühn und tapfer. Es gehört mehr Anstrengung dazu, auch nur eine Feder aus den Schwingen des Vogels der Freude sich zu erobern, als sich von der Flut des Schmerzes treiben zu lassen. Der Schmerz ist auch ohne unser Zutun da, doch die Freude nur, wenn wir selbst sie uns schaffen. Das Lebenskreuz wird uns auferlegt, doch die Blume der Freude müssen wir selber in unseren Garten pflanzen oder suchen gehen. Sie wächst an einem steilen Abhang und nur eine furchtlose Hand kann sie pflücken.

Zenta Maurina

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