Ich werde der Betrunkene sein

Ich liebe meine Obskurität. Ich stelle nicht aus, um mich einer ehrenden Erwähnung durch Herren auszusetzen, die oft nicht genug Ehre für ihre ganz persönlichen Angelegenheiten haben, und weil ich niemandem das Recht zugestehe, mich zu „ehren“, welche Anerkennung mir die äußerste Erniedrigung erscheint. Ich weiß nicht, ob ich etwas mache, das mir gefällt; und was das Gefallen der andern betrifft, ist es mir so gleichgültig wie die Handschuhe vom letzten Jahr. Ich habe nur eine Qualität: ein vom Publikum verachtetes Ideal, und manche meiner Blätter sind nichts sonst als der Versuch, meinen Hintern auf das Gesichtsniveau des Publikums zu bringen. „Und als man ihn fragte, weshalb er sich um eine Kunst mühe, die kaum einer kenne, sagte er: „Ich brauche nur wenige, ich brauche nur einen, ich brauche keinen.“ Das ist von Montaigne.

Ich hasse alle Lauheit. Wer heiß ist, der soll und muß mit einem Schlag kalt werden, wie von einer Kugel durchschossen. Das Alter durchlöchert so, aber Alter und Tod sollen eins sein. Man muß seinen schönen Wahnsinn bewahren.

Da ziehen ein paar Freunde des Morgens aus; ihr Singen steigt in die Luft, alle haben Lachen auf den Lippen und Leichtigkeit in den Augen. Es ist Mittag: man singt noch, aber es fliegt nicht mehr so in die Luft, denn die brennende Sonne macht hängende Köpfe, und ein paar singen überhaupt nicht mehr. Der Abend ist da, nichts mehr… Schweigen. Die ermüdeten Freunde schleichen so hin, einer singt noch in die Dämmerung, feiert sie, wie er das Mittagslicht gefeiert hat und die Morgenfrische, und wie er noch von den Süßigkeiten der blauen Nächte sprechen wird: die Freunde zucken die Achseln und die verspäteten Passanten halten ihn für einen Betrunkenen. Ich werde der Betrunkene sein.

Félicien Rops

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