Verzweiflung, Verfall & Verwesung

Tod-Verwesung_224x300.jpg

http://bluesdiary.com/wp/audio/Johnny_Cash_-_Gods_Gonna_Cut_You_Down.mp3

Johnny Cash – God’s Gonna Cut You Down

blog-O-rama hat über 1.000 Abonnenten habe ich mich vor gut zwei Wochen hier noch gefreut. Danach begann wieder mal der Niedergang, wie ich ihn auch schon in Schweigen & Schreiben beschrieben habe, und wieder mal beherrschten Verzweiflung, Verfall & Verwesung mein „Leben“ oder besser das, was davon noch übrig ist, nachdem Scharfschütze Tod es ins Visier nahm und die Menschen um mich herum wie Karnickel abknallte. Zweifel an allem, was ich mache und schaffe, Zweifel am Sinn des Leben, Verzweiflung über den übermächtigen Tod, der einfach alles wieder zunichte macht, was wir Menschen so mühsam aufbauen. Wozu noch irgendetwas tun, wenn doch alles dem Tod geweiht ist, wozu sich noch an irgendjemanden binden, wenn man sich doch von jedem wieder trennen muß? In nur achtzehn Monaten hat der Serienkiller Tod mir gleich sechs geliebte Menschen für immer entrissen.

Durch das endlose Leid der letzten Jahre ohnehin schon mächtig angeschlagen und geschwächt, geben mir Nachrichten wie die über Ottfried Fischers Parkinson-Erkrankung oder die Morde und Selbstmorde von Kriegsheimkehrern dann meistens den Rest, türmen riesige Fragen vor mir auf, auf die ich Zwerg einfach keine Antwort habe und trotz tage- und nächtelangem Suchen auch keine Antwort finde.

Der von mir sehr geschätzte Schauspieler und Kabarettist Ottfried Fischer ist also an Parkinson erkrankt, wie alle Medien unisono berichten: Focus, Spiegel, Stern, Wikipedia.

Nun sind es nicht Knödel und Leberkäs, die ihn niederringen, sondern es ist die Schüttellähmung, die jeden treffen kann. Eine Viertelmillion Deutsche. Muhammad Ali, den größten Boxer aller Zeiten, der nun als Pflegefall dahinsiecht. Den athletischen Papst Wojtyla, Skifahrer, Schwimmer, den sie zu einem dicklichen Greis im Rollstuhl entstellte. Manfred Rommel, Stuttgarts früheren Oberbürgermeister. Und den Hollywoodstar Michael J. Fox. — Quelle: Stern

Geboren wurde Ottfried Fischer am 7. November 1953. Somit ist er fünf Jahre jünger als ich – also lebe ich schon wieder mal fünf Jahre auf Pump? Und wen habe ich angepumpt – das Leben oder den Tod? Warum erwischt es den einen – und den anderen nicht? Warum erwischt es den einen schon so früh – und den anderen erst viel später? Warum erwischt es den einen so – und den anderen ganz anders? Das sind nur einige der bohrenden Fragen, die mich nun schon seit Jahren Tag und Nacht plagen und quälen – und auf die ich bis heute keine vernünftige Antwort gefunden habe, mit der ich wenigstens einigermaßen zufrieden weiterleben könnte. Diese heimtückischen und unberechenbaren Zeitbomben, die in unseren Körpern und Seelen unaufhaltsam vor sich hin ticken – hört ihr sie? Wann werden sie uns in die Luft jagen? Und was fliegt zuerst in die Luft – der Körper, die Seele, beides gleichzeitig vielleicht? Nachts, wenn ich mein Herz schlagen höre, tickt es besonders laut …

http://bluesdiary.com/wp/audio/Christina_Stuermer_-_Mitten_Unterm_Jahr.mp3

Christina Stürmer – Mitten unterm Jahr

Ich hatt es nie so ganz erfahren, jenes alte feste Schicksalswort, daß eine neue Seligkeit dem Herzen aufgeht, wenn es aushält und die Mitternacht des Grams durchduldet, und daß, wie Nachtigallgesang im Dunkeln, göttlich erst in tiefem Leid das Lebenslied der Welt uns tönt. — Friedrich Hölderlin

Das ganze Elend begann im November 2004 mit einem Sturz meiner Mutter. Es war ein Freitag Abend, 20 Uhr, als das Telefon klingelte. Mein Vater war dran, völlig aufgelöst und zerfleddert und bat mich weinend, schnell zu kommen, meine Mutter sei gestürzt und er könne sie nicht aufheben, da sie zu schwer für ihn sei. Meine Mutter hatte einen Hirnschlag, den sie zwar überlebte, aber nur für kurze Zeit, die sie allerdings genossen hat, so gut ihr das eben noch möglich war.

http://bluesdiary.com/wp/audio/Joe_Bonamassa_-_Blues_Deluxe.mp3

Joe Bonamassa – Blues Deluxe

Das war der Anfang vom Ende meines alten, glücklichen Lebens. Danach begann mein neues „Leben“ oder besser: der Horror pur, denn der Serienkiller Tod killte meine Lieben nun im 90-Tage-Takt: Alle drei Monate warf er mir eine Leiche vor die Füße – Friß oder stirb (selbst)! Bis dahin bestand meine Welt aus knospenden Mädchen und blühenden Frauen, heute besteht sie aus Blinden und Behinderten, aus Rollatoren, Rollstühlen und Leichenwagen, aus Krankheiten, Schmerz und Siechtum, aus Intensivstationen, Leichenhallen und Krematorien, aus tiefer Verzweiflung, unaufhaltsamem Verfall und morbider Verwesung.

http://bluesdiary.com/wp/audio/Mountain_-_Everything_Is_Broken.mp3

Mountain – Everything Is Broken

Soldat-im-Irak_240x360.jpg

Wußten Sie, daß inzwischen mehr Heimkehrer aus dem Irak-Krieg Selbstmord begangen haben als Soldaten im Irak selbst gefallen sind? Jetzt wissen Sie’s. Mit Vietnam damals war es übrigens nicht anders: mehr als 60.000 Selbstmorde. Nachrichten und Schlagzeilen wie diese killen das letzte bißchen Zuversicht und Stärke in mir, mit dem ich mich seit dem sechsfachen Tod meiner Lieben mühsam über Wasser halte:

Einen traurigen Höhepunkt erreichte die zynische Terrorkriegsführung des irakischen Netzwerks von al-Qaida, als am vergangenen Wochenende zwei geistig verwirrte Frauen als Selbstmordattentäterinnen auf zwei Bagdader Märkte losgeschickt wurden, wo Bomben an ihren Körpern dann ferngezündet wurden. — Quelle: Die Presse

http://bluesdiary.com/wp/audio/Johnny_Cash_-_Hurt.mp3

Johnny Cash – Hurt

Kriegsopfer_320x400.jpg

Das Unglück der Erde war bisher, daß zwei den Krieg beschlossen und Millionen ihn ausführten und ausstanden, indes es besser, wenn auch nicht gut gewesen wäre, daß Millionen beschlossen hätten, und zwei gestritten. — Jean Paul

In was für einer Welt „leben“ wir hier eigentlich? In einem bluttriefenden Schlachthof unter blutrünstigen Metzgern, würde ich sagen. Und Sie? Als ob das Sterben mitten im Leben nicht schon schwer genug ist, finden diese bestialischen Henker in West und Ost immer neue Möglichkeiten, uns zur Schlachtbank zu führen. Und als ob wir nicht schon genug Schlachthäuser hätten, wird jetzt in Tibet von den Chinesen gerade das nächste aufgemacht. Ist es wirklich das, was wir unter „Leben“ verstehen, was wir Menschen hier auf Erden suchen und wollen?

http://bluesdiary.com/wp/audio/Moby_-_Why_Does_My_Heart_Feel_So_Bad.mp3

Moby – Why Does My Heart Feel So Bad?

Rudi bloggt @ WebKompass

[ratings]

Lesenswert

The Killer Inside Me – Kaputter Cop als Serienkill... Dieser Thriller mit Elementen aus dem Neo-Noir ist definitiv nichts für schwache Nerven - Cinefacts Ich lese seit jeher auch sehr gerne Krimis (3 B...
Wenn das Leben ein Strand ist Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr. Michael Birbaek
Steve Mosby – Der 50/50-Killer – Hörbu... Und wieder mal geht es um einen Serienkiller, der den Leuten und den Bullen das Leben schwer macht. Wenn Sie auf dieses Genre stehe...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.