Anleitung zum Alleinsein – Essays von Jonathan Franzen

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Jonathan Franzen

Für mich gibt es heute nichts Anziehenderes
als eine Frau, die liest.

Und für Sie? Die Essays sind meine erste Begegnung mit Jonathan Franzen – und mit Sicherheit nicht die letzte! Ein großartiger Autor, der mir einiges zu sagen hat, von dem ich noch vieles lernen kann.

Worum geht’s in den Essays, was ist mit „Anleitung zum Alleinsein“ gemeint? Das Lesen ist damit gemeint:

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Das Erste, was das Lesen bietet,
ist eine Anleitung zum Alleinsein.
Jonathan Franzen

Ich bin gerne allein, ziehe die Gesellschaft eines guten Buches oder Filmes jederzeit der Gesellschaft eines dumpfen Menschen vor. Die Befürchtung Jonathan Franzens, er könne mich als Leser verlieren, geht an mir vorbei, denn ich bin ein eingefleischter Resistenzleser:

Der Autor von Romanen hat seinen Lesern immer mehr zu sagen, während sie immer weniger Zeit zum Lesen haben. Der gebildete New Yorker, der 1945 pro Jahr noch fünfundzwanzig anspruchsvolle Romane las, hat heute vielleicht noch Zeit für fünf. Der harte Kern der Resistenzleser, die lesen, weil sie lesen müssen. Dieser harte Kern ist eine sehr kleine Kostbarkeit, die sich eine sehr große Anzahl tätiger Schriftsteller teilen muß.

Und Sie? Gehören Sie auch zur wachsenden Gruppe derer, die mehr und mehr Zeit vor diversen Mattscheiben verbringen und damit Gefahr laufen, selbst matt in der Birne zu werden?

Bei allem Hochdruck der geistigen Uniformierung bleibt es in der Wahl eines Menschen, was er lesen will, und was er gelesen hat, macht ihn von den andern ein bißchen verschieden. Das Buch ist eben immer noch der wirksamste, vielleicht bald der einzige Schutz der Persönlichkeit gegen die Polypenarme des Kollektivs. – Dr. Rohwedder, Bonner Staatssekretär

Jeder von uns hat jeden Tag aufs Neue 24 Stunden Zeit. Je nach dem wie wir die zubringen, wird aus uns eine interessante Persönlichkeit oder ein tumber Tor.

Ich las beim Essen, ich las im Bett, ich las,
wo niemand sonst liest, und habe von meinem fünften Lebensjahr an
alles gelesen, was es zu lesen gab.
Lord Byron

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Jeder Tag ist ein Baustein
für die Ruine oder Kathedrale meines Lebens.
Rudi Lehnert

Und jedes Buch ist ein Baustein für die Ruine oder Kathedrale meines Hirnes & meines Herzens. Oder wie Maxim Gorki zu sagen beliebt:

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Je mehr ich las, um so enger wurden meine Beziehungen zur Welt, um so leuchtender und bedeutsamer wurde für mich das Leben. Jedes Buch war wie eine kleine Sprosse, über die ich vom Tier zum Menschen aufstieg. – Maxim Gorki

Aber Lesen ist nicht nur Lernen. Lesen ist auch Genuß pur, so man wie beim Wein das richtige Buch „entkorkt“ und das falsche geschlossen läßt.

Romanautoren wollen, daß ihre Arbeit genossen
und nicht wie Medizin eingenommen wird.
Jonathan Franzen

Also genießen Sie jetzt offenen Geistes & frohen Herzens Jonathan Franzens Essays. Hier noch ein paar Genußpröbchen:

Um mich herum beugen sich attraktive junge Menschen mit geschäftiger Miene über ihre StarTacs und Nokias, als befühlten sie einen schmerzenden Zahn oder rückten ein Hörgerät zurecht oder betasteten einen gezerrten Muskel; direkt am Körper getragene Technologie sieht neuerdings wie eine Körperbehinderung aus. Gehsteige sind für mich eigentlich nur der Ort des Sehens und Gesehenwerdens, doch selbst diese bescheidene Vorstellung wird von Handy-Benutzern mit ihrer unwillkommenen Privatsphäre durchkreuzt. Sie sagen Sachen wie: „Sollen wir dazu Couscous essen?“, und: „Ich bin grad auf dem Weg zu ’nem Videoladen.“ Sie brechen kein Gesetz, indem sie diese Frühstückstischgespräche in den Äther schicken. Es gibt kein PublicityGuard, dessen Mitglied ich zum Schutz vor dem Überhandnehmen des Privaten werden könnte, kein teures Öffentliches-Leben-Reservat, in dem ich Zuflucht fände.

Eine junge Bekannte, die Englisch im Hauptfach studiert hatte, antwortete auf meine Frage, was sie gerade lese: „Du meinst, linear? Also von vorn bis hinten?“ Literatur und Markt hatten noch nie viel füreinander übrig. Noch während ich für das Lesen von Literatur eintrat, überkam mich eine solche Depression, daß ich nach dem Abendessen kaum mehr etwas anderes tun konnte, als mich vor den Fernseher zu hauen. Wir hatten keinen Kabelanschluß, trotzdem fand ich immer etwas Gutes: ein Spiel der Phillies gegen die Padres, der Eagles gegen die Bengals, Serien wie M*A*S*H, Cheers und Homicide. Aber je mehr ich fernsah, desto schlechter ging es mir natürlich. Wenn man Romane schreibt und nicht mal selber Lust zum Lesen hat, wie kann man dann von anderen erwarten, daß sie die Bücher von einem lesen?

Das Einzige, was in der Vorstellung noch trostloser ist als virtuelle Brautwerbung, ist der Ehealltag zweier Menschen, die auf diese Weise umeinander geworben haben.

Eine Depression äußert sich als Realismus gegenüber der Fäulnis der Welt im Allgemeinen und der des eigenen Lebens im Besonderen.

Die Geschichte ist das tollwütige Ding, vor dem wir uns alle verstecken möchten.

Das Wesen der Literatur ist einsame Arbeit: die Arbeit des Schreibens, die Arbeit des Lesens.

Literatur, so glaubte ich, sei die Umwandlung von Erfahrungsstroh in sprachliches Gold. Literatur bedeutete, das aufzuheben, was die Welt am Straßenrand abgestellt hatte, und etwas Schönes daraus zu machen.

Jonathan Franzen

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Jedes Buch hat dir etwas zu sagen. Jedes eine Botschaft an dich. Jedes hat dir Kräfte zu spenden. Keines ist um seiner selbst willen da. Jedes ist um deinetwillen geschrieben: um dir einen Weg zu zeigen – den Weg zu dir selbst. Das tun selbst solche Bücher, die jede Faser in dir zum Widerspruch aufpeitschen. – Carl Christian Bry

Und wenn Sie beim Schmökern gerne gute Musik hören, Bluesdiary hat den Soundtrack dazu.

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Otis Rush – I Got The Blues

Bitte besuchen Sie : Rudis Bibliothek : Herzlich Willkommen

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