Nüchtern – Über das Trinken und das Glück berichtet Daniel Schreiber

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Seasick Steve – Whiskey Ballad – Lyrics

Vorgestern war hier die Rede von Gelassenheit – Was wir gewinnen, wenn wir älter werden. Und was gewinnen wir, wenn wir nüchtern werden? Der Journalist und Ex-Alkoholiker Daniel Schreiber sagt es uns in seinem Buch „Nüchtern – Über das Trinken und das Glück“.

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Daniel Schreiber, geboren 1977, arbeitete als Redakteur für Monopol und Cicero und ist seit 2013 wieder freier Autor. Seine Texte erscheinen u. a. in der ZEIT, dem Philosophie Magazin, der Weltkunst und der taz. Von ihm liegt die Susan-Sontag-Biografie Geist und Glamour (2007) vor. Er lebt in Berlin.

Hören wir ihn selbst:

Man kann viel erreichen, auch wenn man zu viel trinkt. Obwohl wir es alle besser wissen sollten, assoziieren wir Alkoholkranke immer noch mit dem klassischen Bild vom Straßentrinker oder vom Alkoholiker, der sich seit Jahrzehnten von Entzugsklinik zu Entzugsklinik, von Rückfall zu Rückfall hangelt, dem Alkoholiker also, der gerne in deutschen Talkshows sitzt. Beide machen jedoch nur einen geringen Prozentsatz der Trinkbevölkerung aus. Funktionierende Alkoholkranke gibt es überall – in Anwaltskanzleien und Redaktionen, in Lehrerzimmern und auf dem Bau, in Friseurläden, an Supermarktkassen, in Architekturbüros und im Bundestag. Sie ziehen Familien groß, sitzen beim Elternabend und im Kino neben Ihnen, machen wie Sie Wochenendausflüge, tanzen auf den Hochzeiten Ihrer Freunde. Die Wahrheit ist, dass man sogar erstaunlich viel erreichen kann, auch wenn man übermäßig trinkt. Man konstruiert sich wirksame Fassaden eines
scheinbar produktiven Lebens. Fassaden, hinter denen man sich versteckt und die man wie ein Alibi vor sich herträgt. Dann beißt man die Zähne zusammen und kommt einfach irgendwie durch. Und wenn ein Anflug von Erleichterung in Sicht ist, greift man zu dem, was dem Gefühl, tatsächlich am Leben zu sein, am nächsten kommt – dem Glas.

Deutschland gehört mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 12,1 Liter reinem Alkohol zu den Ländern, in denen deutlich mehr als anderswo getrunken wird. Der weltweite Durchschnitt liegt bei sechs Litern. Bei uns sterben mehr Menschen an durch Alkoholmissbrauch verursachten Leberzirrhosen als bei Verkehrsunfällen. Im Schnitt trinkt jeder Deutsche im Jahr mehr als eine Badewanne voll Wein, Bier und Spirituosen.

Den 10 Millionen Euro, die in Deutschland jährlich für Aufklärungskampagnen über die Folgen der Alkoholabhängigkeit ausgegeben werden, stehen 526 Millionen Euro gegenüber, die Alkoholhersteller in Werbung investieren. Im Jahr 2011 wurden mehr als 116.000 Menschen mit einer akuten Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert, darunter 26.000 Jugendliche. Alkohol trägt hierzulande stärker zu einer Verkürzung der durchschnittlichen Lebenszeit bei als der Tabakkonsum. Jährlich sterben bei uns 74.000 Menschen an den körperlichen Folgen extremen Alkoholmissbrauchs.

Auch die ZEIT widmet sich in dem Artikel Drogenkonsum in Deutschland den deutschen Süchtigen. Man verwechsle sie aber bitte nicht mit den paar abgehalfterten Junkies, die an Bahnhöfen und auf Parkbänken abhängen. Die meisten deutschen Süchtigen hängen gut gemästet mit Chips, Bier & Schnaps in „gut“bürgerlichen Wohnzimmern vor der Glotze ab. Stichwort gut gemästet – der Fresssucht widmet sich der ZEIT-Artikel leider nicht, der Kaufsucht auch nicht. Drum tue ich’s hier Fressen statt Ficken und hier Warum kaufen wir mehr, als wir brauchen? Denn Fresssucht & Kaufsucht ruinieren das Leben kein bißchen weniger als der Alkoholismus.

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Fett hocken sie auf dem Sofa, bei Nüsschen und Bier, im Zigarettenrauch –
und regen sich über die jungen Haschischraucher auf.
Gerhard Kocher

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Funny Van Dannen – Mein Volk

Wir tun also gut daran, genau darauf zu achten, was wir unserem Geist und unserem Körper zumuten, denn die Alternative ist der Tod vor dem Tod.

Du wirst dein Leben lang mit dir selbst leben. Du kannst eine neue Geliebte finden, du kannst Freunde und Familie verlassen, verreisen, eine neue Stadt und neue Orte finden, du kannst verkaufen, was du besitzt, und dich von allem trennen, was dir nicht passt, aber solange du lebst, wirst du dich nie von dir selber trennen können. – Tomas Espedal

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Jeder Tag ist ein Baustein
für die Ruine oder Kathedrale meines Lebens.
Rudi Lehnert

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Hosea Hargrove – I Love My Life

Autor, Alkohol & Amnesie

Und wenn Sie beim Saufen respektive Ausnüchtern gerne gute Musik hören, Bluesdiary hat den Soundtrack dazu.

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Man muß trinken, um alle Menschen lieben zu können.
Oskar Maria Graf

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Popa Chubby – Man Of The Blues

Best Blues @ Bluesdiary

When you’re in trouble, the Blues is the man’s best friend.
Otis Spann

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The Blues is the roots and the rest are the fruits.
Willie Dixon

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