Gebete für die Vermissten spricht Jennifer Clement

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Mexiko kommt seit Monaten aus den Drogen-Korruption-Mord-Schlagzeilen nicht raus. Wie auch? Das Land verkommt zur Hölle auf Erden. Das Höllenfeuer schüren geldgierige, sexsüchtige und mordlüsterne Narcos in krimineller Kooperation mit durch und durch korrupten Politikern, Polizisten & Militärs. Einen Auftragsmord gibt’s ab 35 Dollar, die Pistoleros sind oft vierzehnjährige Kids. In dieser Gluthölle hat Jennifer Clement recherchiert und daraus mit glühend heißer Feder einen glühend heißen Roman gestrickt: Gebete für die Vermissten. Wie alle Gebete helfen natürlich auch diese nicht, aber das Buch ist trotzdem absolut lesenswert. Lesen Sie’s halt nicht als sinnloses Gebet, lesen Sie’s als furiose Anklage des verkommenen mexikanischen Establishments. Mögen diese skrupellosen Verbrecher endlich zur Hölle fahren!

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Jennifer Clement, 1960 in Connecticut geboren, wuchs in Mexiko-Stadt auf, studierte in New York und Paris Literaturwissenschaft und hat Lyrik und zwei Romane veröffentlicht. Für Gebete für die Vermissten recherchierte sie über zehn Jahre lang in der mexikanischen Provinz und führte Hunderte Interviews mit vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen.

Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, inmitten von Mais- und Mohnfeldern, in einem Dorf ohne Männer, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst tot. Es ist eine karge und harte Welt, in der ein Mädchenleben wenig zählt. Eine Welt, in der verzweifelte Mütter ihre Töchter als Jungen verkleiden oder sie in Erdlöchern verstecken, sobald am Horizont die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler auftauchen. Aber Ladydi träumt von einer richtigen Zukunft, sie träumt von Freundschaft und Liebe und Wohlstand. Ein Job als Hausmädchen in Acapulco verspricht die Rettung, doch dann verwickelt ihr Cousin sie in einen Drogendeal. Und plötzlich hält sie ein Paket Heroin in den Händen, und ein gnadenloser Überlebenskampf beginnt. – Verlagsinfo

„Traurigerweise ist heute das lukrativste Geschäft der Menschenhandel“, sagt Clement der Nachrichtenagentur dpa. „Drogen kann man nur einmal verkaufen, aber eine Frau immer wieder, sogar mehrmals am Tag.“

Clement hat das beste Buch geschrieben, das ich 2014 gelesen habe. Von mir hätte sie den Nobelpreis bekommen. – Stern

Falten Sie jetzt bitte die Hände und beten Sie mit:

Ruth kam aus einem schwarzen Müllsack auf die Welt, in dem sie zusammen mit schmutzigen Windeln, vergammelten Orangenschalen, drei leeren Bierflaschen, einer Coladose und einem in Zeitungspapier gewickelten toten Papagei lag. Jemand von der Müllhalde hatte Schreie aus dem Sack kommen hören. Ruth war ein Müll-Baby. Wahrscheinlich war sie aus einem großen Irrtum entstanden. Warum sonst sollte jemand sein Baby in den Müll werfen wie eine Bananenschale oder ein vergammeltes Ei?

Jetzt machen wir dich hässlich, sagte meine Mutter. Sie pfiff durch die Zähne. Als Kind hat mich meine Mutter wie einen Jungen angezogen und „Junge“ genannt. Ich hab allen erzählt, ich hätte einen Jungen bekommen, sagte sie. Wäre ich ein Mädchen, würde man mich stehlen. Die Drogendealer mussten nur hören, dass irgendwo ein hübsches Mädchen rumlief, schon kamen sie in ihren schwarzen Escalades angerauscht und nahmen es mit.

Diese Skorpione hatten mehr Erbarmen mit dir, als es je ein Mensch haben wird, sagte meine Mutter. Sie zog einen Flipflop aus und schlug alle vier tot. Erbarmen beruht nicht immer auf Gegenseitigkeit, sagte sie. Dann warf sie die Tiere ins Gebüsch.

Amen.

Gebete für die Vermissten

Rudi bloggt

Und wenn Sie beim Schmökern gerne gute Musik hören, Bluesdiary hat den Soundtrack dazu.

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Eric Burdon – Devil and Jesus

Best Blues @ Bluesdiary

When you’re in trouble, the Blues is the man’s best friend.
Otis Spann

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The Blues is the roots and the rest are the fruits.
Willie Dixon

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