Arbeit und Struktur – Tagebuch des todgeweihten Wolfgang Herrndorf

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So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein.
Ich will mein Leben tanzen.

Wolfgang Herrndorf – 12.6.1965 – 26.8.2013

Alle drei Minuten versucht in Deutschland jemand, sich das Leben zu nehmen, alle 47 Minuten gelingt das tatsächlich jemandem. Robin Williams ist einer von ihnen, Udo Reiter ein anderer, Wolfgang Herrndorf ein weiterer. Er litt an einem inoperablen Gehirntumor und hat sich schließlich erschossen.

Wolfgang Herrndorf liest aus „Tschick“

Die Unfaßbarkeit, in genau dieser Sekunde zu leben, während andere nicht leben.

Die unbegreifliche Nichtigkeit menschlicher Existenz. Im einen Moment belebte Materie, im nächsten dasselbe, nur ohne Adjektiv.

Der Tod ist schließlich nichts anderes als die Mitteilung des Universums an das Individuum, nicht geliebt zu werden, die Mitteilung, nicht gebraucht zu werden, dieser Welt egal zu sein.

Daß eine Gesellschaft es sich leisten kann, eine Millionenstadt einen Tag lang lahmlegen zu lassen durch den Besuch eines Mannes, der eine dem Glauben an den Osterhasen vergleichbare Ideenkonstruktion als für erwachsene Menschen angemessene Weltanschauung betrachtet, erstaunlich. Und herzlichen Dank. In hundert Jahren kennt dich kein Mensch mehr, römischer Irrer. Mich schon.

Themenwoche Sterben auf der ARD. Komplett Enthirnte wie Margot Käßmann versuchen, ein freies Leben gelebt habenden Menschen das Recht auf Freiheit im Tod zu bestreiten. Die Position der Vernunft wie immer dünn besetzt. Ein Mann, der seine alzheimerkranke Frau beim Suizid unterstützte, sitzt neben einer Zumutung namens Kapuzinermönch Bruder Paulus, dem sein ihm das Gesicht verwüstet habender zweistelliger IQ befiehlt, eine Stunde lang mit zusammengekniffenen Augen angestrengtes Nachdenken simulierend in die Runde zu schauen und seinen Vorredner anzublaffen, warum er seiner Frau denn nicht gleich die Pulsadern aufgeschnitten habe. Lang lebe Berlin-Mitte.

Wolfgang Herrndorf

Am Ende, wenn die Welt vergeht
Und kein Gedicht weiß, wer wir waren,
Wenn kein Atom mehr von uns steht
Seit zwölf Milliarden Jahren,
Wenn schweigend still das All zerstiebt
Und mit ihm auch die letzten Fragen,
Wird es die Welt, die’s nicht mehr gibt,
Niemals gegeben haben.

Wolfgang Herrndorf

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Die Zukunft ist abgeschafft, ich plane nichts, ich hoffe nichts,
ich freue mich auf nichts außer den heutigen Tag.
Den größeren Teil der Zeit habe ich das Gefühl, tot zu sein.
Wolfgang Herrndorf

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Popa Chubby – Time Is Killing Me

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