Wie Liebe entsteht – Erzählungen von Raija Siekkinen

Raija-Siekkinen-Wie-Liebe-entsteht_270x380

Wie Liebe entsteht, keiner weiß, wie das geht.
Raija Siekkinen

Wie Liebe entsteht – Erzählungen von Raija Siekkinen

Raija Siekkinen ist wie Sofi Oksanen eine finnische Schriftstellerin. Sie erzählt von unglücklichen Frauen. Wen wundert’s. Sind die meisten Menschen doch Analphabeten in Sachen Liebe. Sie verstehen sich besser auf Smartphones & Computerspiele, auf Facebook & Twitter, auf YouTube & Netflix, auf schnelle Autos & coole Klamotten, auf Geld & Gier, auf Gewalt, Neid & Haß. Amen.

Raija-Siekkinen_240x320

Die Autorin

Raija Siekkinen, geboren 1953 in Kotka, gehört zu den am meisten geschätzten finnischen Autorinnen. Sie veröffentlichte neun Kurzgeschichtenbände und mehrere Romane. Ihre Werke gelten als moderne Klassiker. Mit ihrem 1991 erschienenen Band „Wie Liebe entsteht“ wurde sie für den Finlandia-Preis nominiert. Raija Siekkinen starb 2004 im Alter von 51 Jahren nachts im Schlaf bei einem Wohnungsbrand. Sie rauchte gern im Bett.

Frauen stehen im Mittelpunkt dieser zehn Er­zählungen. Jede befindet sich an einem Scheideweg in ihrem Leben. Eine Kleinigkeit löst eine Gedankenkette aus, an deren Ende ein Neuanfang steht, eine banale Autofahrt wird zu einer Fahrt in ein neues Lebenskapitel. In der Titelerzählung »Wie Liebe entsteht« kämpft eine Frau mit den Folgen einer Affäre ihres Mannes, eine andere mit den Folgen einer versuchten Vergewaltigung und eine Bibliothekarin muss über den plötzlichen Tod ihres Mannes durch Herzversagen hinwegkommen.

kinder-liebe-400x270.jpg

Ringlein sehn heut lieblich aus, morgen werden Fesseln draus.
Clemens Brentano

Was ich sage

Im Gegensatz zu Yasmina Rezas Roman Glücklich die Glücklichen gibt es bei Raija Siekkinen keine lautstarken und unübersehbaren Frontalcrashs zwischen Mann & Frau. In ihren Erzählungen schleicht sich der Horror auf Samtpfoten an die Paare heran, wie in John Carpenters Film The Fog – Nebel des Grauens. An der Oberfläche der Beziehungen passiert lange Zeit scheinbar nichts, in der Tiefe rumort es dafür umso kräftiger. Und eines Tages durchbricht die brodelnde Tiefe wie ein Vulkan die trügerisch ruhige Oberfläche und es ist nichts mehr wie es war.

Unterhalb der Ereignisse verlief noch ein tieferer Strom des Geschehens, dunkel und unberechenbar im Verlauf. Dort reiften Entscheidungen, langsam und ohne dass man es merkte, während oben das Leben weiterging und unbedeutende Kleinigkeiten sich addierten, bis man eines Morgens, ohne zu begreifen warum, aufwachte und etwas wusste.

Eines Tages wusste ich, dass Zeit war zum Aufbruch.

Sie drehte sich um und behielt den Mond im Blick, so lange, bis er vom Auto aus nicht mehr zu sehen war. Dann, als der Fahrer wieder beschleunigte, dachte sie zum ersten Mal an das Bett, in das sie sich gleich legen würde, und an den Mann, der dort schlief und von dem sie umso weniger wusste, je mehr sie miteinander redeten. Sie erinnerte sich an seine Angewohnheit von früher, ihr kurz vor dem Einschlafen die Hand aufs Haar zu legen, und dass er ihren Versuch, noch irgendetwas von sich zu geben, immer mit einem »Psst. Nichts sagen.« aufgefangen hatte. Aus seiner Hand schien eine warme, schlaffördernde Kraft zu fließen, und während ihre Arme und Beine noch kurz zuckten, begann sie schon zu träumen.

Sie schloss die Augen. Als sie sie wieder aufmachte, hatten sie die Stadt erreicht; auf den Pflastersteinen lag hauchdünn das rosa Morgenlicht, noch so waagerecht, dass die Furchen zwischen den Steinen im Schatten blieben. Dann hielt das Taxi an.

Was andere sagen

Alles ist von einer glasklaren Durchlässigkeit in diesen Geschichten – und doch sind sie dunkel wie die Nacht. Wer sich in den Erzählkosmos Raija Siekkinens begibt, macht eine merkwürdige Erfahrung: dass Worte tatsächlich ein Gewicht haben und sich zusammenklumpen können wie dunkle Materie. Die Sprache der früh verstorbenen Schriftstellerin ist hell wie der Mittsommer. Ihr Stil wirkt leicht. Die Situationen, in die sie ihre Heldinnen stellt, sind alltäglich. Und doch kommt es in jeder der zehn kurzen Geschichten zu einer Wendung, die so schwer wiegt, dass die Frauen ihr Leben für verfehlt halten müssen. Dabei hat es niemals richtig begonnen. – Tagesspiegel

„Sollen wir nicht doch heiraten?“ So romantisch klingen die Heiratsanträge in den Erzählungen von Raija Siekkinen. Immer geht es um das Leben, was mit ihm war und was in ihm wahrscheinlich nicht mehr passieren wird. Es „stellt Fallen auf“, dieses Leben. Liebe müsste irgendwo sein in diesen Leben – sie scheint jedoch in die Tiefkühltruhe geraten zu sein, hartgefroren liegt sie dort, wie der riesige selbstgefangene Lachs, von dem einmal die Rede ist, über den Winter wird hin und wieder ein Stück von ihm mit der Eisensäge abgeschnitten. – Freitag

Ihre Frauenfiguren treibt ein Ungenügen um: Sie spüren, dass etwas fehlt. Etwas, das sie nicht benennen können: Vielleicht ist es nur der unbedingte Wunsch zu leben. Das eigene Leben ist ein Flickenteppich aus Fehlern, Verlusten, falschen Vorstellungen. – Badische Zeitung

In Raija Siekkinens melancholischer Stimmungsprosa lauert die Kälte überall. Die Minustemperaturen haben sich in die Beziehungen eingeschlichen. Die von Zweifeln zernagten Paarversuche zerfallen in Anfänge und Enden, «so dass es oft unmöglich ist zu sagen, welcher Anfang zu welchem Ende gehört». Feinsinnig spürt die Autorin die Risse und Zwischentöne auf, die sich in vermeintliche Gewissheiten hineinfressen. Einmal ist es der Refrain eines Schlagers, der Alltagsroutinen stört und unüberwindbare Abgründe aufreisst. Ein anderes Mal eine banale Gesprächskulisse am Flughafen, die mit unheilvoller Perfidie in die Wahrnehmung einer Ich-Erzählerin einsickert. Bildstark verwebt Raija Siekkinen die assoziativen Gedankenströme ihrer Heldinnen mit Eindrücken der finnischen Landschaft und erzeugt bittere, aber eindrückliche Momentaufnahmen zerbrechlicher Existenz. – NZZ

Raija Siekkinen

Im Winter saß ich manchmal abends im dunklen Zimmer und dachte an die Menschen, die ich kannte, daran, wie es ihnen ergangen war und wie es ihnen in Zukunft ergehen würde. – Raija Siekkinen

Bitte besuchen Sie : Rudis Bibliothek : Herzlich Willkommen

Banner-Buch-Tablet_480x120_thumb2142

Viewed 2202 times by 887 viewers

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.