Dunkle Gewässer – Thriller von Joe R. Lansdale

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„Die Alte schmatzte beim Essen so laut, dass ein Schwein beschämt das Zimmer verlassen hätte.“ Sowas muß einem erst einmal einfallen. Lansdale fällt sowas ein, und noch viel mehr solch köstlicher schmackhafter schmatzhafter Vergleiche. Guten Appetit!

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Der Autor

Joe R. Lansdale, geboren am 28. Oktober 1951 in Gladewater, Texas, ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er wurde vielfach ausgezeichnet: British Fantasy Award, American Horror Award, Edgar Allan Poe Award, Herodotus Award, sieben Bram Stoker Awards.

Das Buch

Als die Leiche der jungen May Lynn aus dem Sabine River gezogen wird, interessiert sich niemand dafür, wer sie ermordet hat. Alle sind nur hinter dem Geld her, das ihr Bruder bei einem Banküberfall erbeutet haben soll. Sue Ellen findet, dass ihre tote Freundin May etwas Besseres verdient hat. Wenn schon kein Filmstar aus ihr wird, wie sie es sich immer erträumte, soll wenigstens ihre Asche in Hollywood verstreut werden. Zusammen mit ihrer labilen Mutter und den Freunden Terry und Jinx macht sich Sue Ellen mit einem Floß in Richtung Süden auf. Bald merken sie, dass der sagenumwobene Killer Skunk hinter ihnen her ist. Die Reise auf den dunklen Gewässern beginnt …

Schmatzhafte Bilder – Guten Appetit!

Wir öffneten den Beutel und schauten rein. Er war voller Geldscheine, und sogar ein paar Münzen befanden sich drin. Und ein Weberknecht, genauso tot und ausgetrocknet wie das Herz eines Kaufmanns.

… weil Arbeitsplätze, vor allem für Frauen, so selten waren wie getaufte Klapperschlangen.

Da lag ich nun, während das Mondlicht durch die dünnen Vorhänge fiel. Und tätschelte das Holzscheit wie eine Katze mit Rindenfell.

Er stand auf, nahm die Schaufel und fing vorsichtig an, um die Leiche herum zu graben. Es dauerte eine Weile, aber mit der Zeit kam immer mehr davon zum Vorschein: ein Mann in einem braunen Anzug mit weißen Nadelstreifen, der auf der Seite lag, die Knie ein Stück angezogen. Die Zähne, die wir gesehen hatte, gehörten zu seinem Schädel. Von dem Mann fehlte eine ganze Menge, aber er konnte sowieso nichts mehr damit anfangen.

Jinx biss sich auf die Lippen und dachte lange nach. »Okay«, sagte sie schließlich, und das Wort quälte sich aus ihrem Mund wie eine Ratte aus einem engen Loch. »Na schön. Verbrennen wir sie eben und verschwinden von hier.«

Ich hörte den Stock durch die Luft pfeifen; es klang wie eine Eule, die Jagd auf eine Maus macht. Der Schlag erwischte Cletus am Hinterkopf. Sein Kopf hüpfte, als würde er ihm gleich vom Hals fallen.

Er lächelte, wie um uns zu zeigen, dass er noch alle Zähne hatte. In meiner Welt auf einen Menschen zu stoßen, der noch alle Zähne hatte, beide Ohren und eine gerade Nase, war ungefähr so selten wie eine Wassermelone in einem Hühnernest.

Reverend Joy verlor jedes Interesse an uns Kindern und schaute die ganze Zeit nur Mama an. Sein Blick erinnerte mich an ein krankes Kalb, das seine Mutter anstarrt.

Die Presse

Im neuen Roman von Joe R. Lansdale machen ein Monster und ein korrupter She­riff Jagd auf drei jugendliche Außenseiter. Herausgekommen ist ein herzerfrischend verrückter Road Trip voller Gewaltexzesse, literarischer Bezüge und warmherzig gezeichneter Figuren. So herzerfrischend durchgeknallt die Handlung, so schonungslos die Horror- und Gewaltexzesse, so warmherzig und liebevoll sind die Hauptfiguren gezeichnet. Zusammengehalten wird all das von einem engmaschigen Netz aus äußerst witzigen Dialogen. – Deutschlandradio Kultur

Aber es sind nicht die Zitatenspiele, auch nicht die kuriosen Ereignisse und Figuren, deretwegen man „Dunkle Gewässer“ lesen sollte. Die wahre Qualität des Buches liegt in der Erzählstimme von Sue Ellen, in der konsequent aus dem ländlichen Alltag erwachsenden Bildhaftigkeit der Sprache. „Ich kam mir vor wie ein trauriger alter Hund, der endlich mal gestreichelt worden war“, beschreibt Sue Ellen einmal ihre Gefühle. Ein andermal erklärt sie, etwas sei so selten wie getaufte Klapperschlangen. – Stuttgarter Zeitung

Das Beispiel Joe R. Lansdale zeigt gut, dass Kriminalliteratur und Literatur nicht wirklich zu trennen sind. Es gibt einfach gute und schlechte Bücher. Und gute und schlechte Autoren. Punkt. Lansdale ist auf alle Fälle ein außergewöhnlich guter Autor, der sich um Genre-Grenzen ohnehin nicht schert. Und sein aktueller Krimi “Dunkle Gewässer” ist ebenfalls außergewöhnlich gut. Was mich an “Dunkle Gewässer” am meisten begeistert hat, ist die Erzählkraft des Autors. Er versteht es, Bilder zu schaffen, mit Sprache kreativ umzugehen und Charaktere innerhalb nur weniger Seiten so zu erschaffen, dass man sie lange bei sich behält. – Crimenoir

Stilistisch beeindruckt Lansdale durch die absolute Beherrschung seines Handwerks. Mit nüchternen Worten vermag er zu zaubern, seine Leser träumen, sich fürchten oder traurig sein zu lassen. Unmittelbar kann einer Tragödie eine groteske Episode folgen, die der Verfasser mit knochentrockenem Humor und rabenschwarzem Witz zum Besten gibt. Der Effekt ist unwiderstehlich, spaltet aber auch das Publikum: Lansdale-Geschichten liebt man oder hasst sie. – Krimi-Couch

Joe R. Lansdale

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