Bartholomäus Grill – Um uns die Toten – Meine Begegnungen mit dem Sterben

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Aller Menschen harrt der Tod. Und keinen gibt’s auf Erden, der untrüglich weiß, ob ihn der nächste Morgen noch am Leben trifft. – Euripides

Dieser Mensch war ich – Nachrufe auf das eigene Leben von Christiane zu Salm haben Sie gelesen? Inzwischen sind wir dem Tod alle wieder 2 Jahre nähergerückt… Ich bin zwar rundum gesund – Rudi, 67, lebt -, trotzdem vergeht seit 2005 kein Tag, an dem ich mich nicht mehr oder weniger intensiv mit dem Tod auseinandersetze. Und Sie?

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Die Seelen der Verstorbenen sind unter uns, sie befinden sich im Zwischenreich der Erinnerung, dem Auge fern, dem Herzen ewig nah. – Bartholomäus Grill

Der Autor

Bartholomäus Grill, geboren am 24. August 1954 in Oberaudorf am Inn, ist ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Afrika-Korrespondent. Er studierte Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte. Ab 1993 berichtete er als Korrespondent der ZEIT aus Afrika, seit Anfang 2013 ist er Afrika-Korrespondent des SPIEGEL, wo er zuletzt über den Tod Nelson Mandelas schrieb. Bei Siedler ist sein Bestseller Ach, Afrika (2003) erschienen. 2006 wurde er für eine Reportage über den Tod seines Bruders mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet.

Das Buch

Je älter man wird, desto näher kommen die Einschläge. Man stellt sich die Frage nach der Endlichkeit des Lebens und der Vergeblichkeit allen Strebens neu, man thematisiert das Sterben viel ernsthafter, zumeist auch behutsamer und ängstlicher, man lernt das bisschen Leben, das man hat, als zerbrechliche Kostbarkeit zu schätzen. Und einige Grundwerte des Christentums, aber auch die fundamentalen Zweifel an dessen Dogmen leuchten wieder auf. Wir müssen im Gegensatz zum Tier mit dem ständigen Bewusstsein unserer Sterblichkeit leben – ohne zu wissen, wann uns die Stunde schlägt.

Im Zentrum steht der Freitod meines Bruders Urban, sein langer Kampf gegen den Krebs, schließlich sein unwiderruflicher Entschluss, das Leiden und den endlos sich hinziehenden Prozess des Sterbens zu beenden. Er sprach von seiner letzten Freiheit, von der Freiheit des erlösenden Todes. Urban bat mich, seine Geschichte aufzuschreiben, um Menschen, die sich in einer ähnlich verzweifelten Lage befinden, einen Ausweg anzubieten. Nachdem er gegangen war, zögerte und zauderte ich ein ganzes Jahr, ehe ich den Text zu Papier brachte. In dieser Zeit, ich war gerade fünfzig Jahre alt geworden, begann meine bisweilen obsessive Beschäftigung mit dem Sterben und dem Tod – viel zu früh, sagten gleichaltrige Freunde, die im Spätsommer des Lebens noch nichts von den letzten Dingen wissen wollten. Den Fragen aber, die ich im Zusammenhang mit dem assistierten Suizid meines Bruders aufwarf, konnten sie sich nicht entziehen. Niemand kann sich ihnen entziehen, sie stellen sich zwangsläufig im Rahmen der großen ethischen Kontroversen in einer vergreisenden Gesellschaft.

Drei Jahre später, im Januar 1993, wurde ich als Korrespondent nach Afrika entsandt, und der Tod sollte hinfort zu einem ständigen Begleiter werden. Der Kriegstod. Der Hungertod. Der Foltertod. Der Erschöpfungstod. Der Armutstod. Der Katastrophentod. Der Seuchentod.

Verhungernde Kinder – das ist in meinen Augen die unmenschlichste, sinnloseste Gestalt, in welcher der Tod auftritt, denn ihr Schicksal ließe sich vermeiden. Der Hungertod entstellt seine Subjekte; sie wirken wie Wesen von einem anderen Stern, wie Aliens, doch sie verkörpern eine conditio humana unseres Zeitalters: die Sterbenswelt der Ärmsten.

Die Presse

„Der Tod hat tausend Gesichter“, sagt der Journalist und Autor Bartholomäus Grill, „und ich habe in viele geschaut.“ Sein Buch „Um uns die Toten“ ist keine Abhandlung über das Altern und den Verfall, auch kein Ratgeber zum Thema Sterben und Sterbehilfe, sondern vielmehr eine subjektiv gefärbte Phänomenologie des Todes. – 3sat

Es ist paradox: Je mehr wir den Tod aus dem Leben verbannen, desto stärker scheint unser Bedürfnis nach Orientierung und Sinn. „Peter Weiss, der in seinem 1961 erschienen Frühwerk ‚Abschied von den Eltern‘ eine bittere Abrechnung hinterlassen hat, nannte das Schreiben den Versuch ‚mit all unseren Toten in uns, mit unserer Totenklage, unseren eigenen Tod vor Augen, zwischen den Lebenden dahin zu balancieren.‘ Kein Satz könnte meine Beweggründe trefflicher ausdrücken.“ Bartholomäus Grill zeigt mit seinem „Um uns die Toten“ eindrücklich auf, wie wir zu einem „normalen“ Verhältnis zum Tod (und damit natürlich immer auch zum Leben) kommen können: Indem wir einander Geschichten über den Tod und das Sterben erzählen. – Huffington Post

Der Tod

Die unbegreifliche Nichtigkeit menschlicher Existenz. Im einen Moment belebte Materie, im nächsten dasselbe, nur ohne Adjektiv. – Wolfgang Herrndorf

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Mors certa, hora incerta – Der Tod ist gewiß, die Stunde ungewiß.

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Popa Chubby – Time Is Killing Me

Bartholomäus Grill

Hinter dir gehen die Lebenden, vor dir die Toten.
Der Tod bleibt der Skandal allen Lebens.
Urs Widmer

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Laut leben. Großzügig leben. Aufrecht leben.

Das Leben ist. Es vergeht. Es zählt nicht. Das ist die frappierende Wahrheit, die jeden, während er älter wird, alt wird, irgendwann einmal erschüttert. Wie sollen die Sterbenden ihre Zeit verbringen, wo sich ihre knapp bemessene Spanne doch mit jedem Tag verkürzt? Wie töricht waren die kleinen atmenden Bewohner dieser Erde, ihre schlotternden Gemeinden und ihre Sternengucker, daß sie das kurze Flackern ihrer Leben der Hoffnung auf das Paradies oder der Höllenangst opferten. Niemand geht in eine andere Welt ein. Es gibt keine Zukunft und keine Vergangenheit. Gegen den Tod – oder die Geburt – hilft nur eins: die Zeit dazwischen nutzen. Laut leben. Großzügig leben. Aufrecht leben. – Jim Crace

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Bonnie Prince Billy – Death To Everyone

Schlußstück

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Rainer Maria Rilke

Bitte besuchen Sie : Rudis Bibliothek : Herzlich Willkommen

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