Rudis neues Wörterbuch : Funktionaler Analphabetismus

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 17,5 Prozent der Deutschen zwischen 16 und 65 Jahren sind, was das Lesen betrifft, auf dem Stand eines zehnjährigen Kindes. – NDR

Was Analphabetismus ist, weiß jeder: wenn man nicht lesen und schreiben kann – aber was ist funktionaler Analphabetismus? Das:

Als funktionaler Analphabetismus oder Illettrismus wird die Unfähigkeit bezeichnet, die Schrift im Alltag so zu gebrauchen, wie es im sozialen Kontext als selbstverständlich angesehen wird. Funktionale Analphabeten sind Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und durchaus in der Lage sind, ihren Namen und ein paar Wörter zu schreiben, die jedoch den Sinn eines etwas längeren Textes entweder gar nicht verstehen oder nicht schnell und mühelos genug verstehen, um praktischen Nutzen davon zu haben. – Wikipedia

Bei dem Wort „Barriere“ denken wir meist sofort an ein sichtbares Hindernis. Viel subtiler sind jedoch unsichtbare Hindernisse, zum Beispiel sprachliche Barrieren. So wie jede Treppe für das Fortbewegen mit Krücken oder Rollstuhl eine Herausforderung darstellt, so sind viele Texte für Menschen mit geringen Lesekompetenzen ein ernsthaftes Hindernis. Erst allmählich setzte sich die politische und gesellschaftliche Erkenntnis durch, dass ein bestimmter Anteil von Schülerinnen und Schülern das deutsche Schulsystem verlässt, ohne hinreichend lesen und schreiben gelernt zu haben.

Die Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland liegt somit bei 14,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung beziehungsweise bei 7,5 Millionen Menschen. Um dies zu veranschaulichen: Das ist mehr als jede einzelne deutsche Stadt Einwohner hat. Das ist sogar mehr als die Einwohner der fünf bevölkerungsreichsten Städte Deutschlands – Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main – zusammen.

Übrigens besitzen weitere 25,9 Prozent (13,3 Millionen) größere Probleme beim Lesen und Rechtschreiben (Alpha-Level 4). Sie gelten zwar nicht als funktionale Analphabeten, doch verschriften sie auch einen geläufigen Wortschatz (Grundschulniveau) sehr fehlerhaft.

Derart geringe Lese- und Schreibkompetenzen sind gesellschaftlich aus mehreren Gründen problematisch. Zum einen bedeutet dieses Ausmaß an geringer Grundbildung einen ökonomischen Nachteil. Wie groß der volkswirtschaftliche Schaden ist, der durch zu geringe Lese- und Schreibkompetenzen entsteht, wurde in Deutschland noch nicht explizit untersucht. Entsprechende Studien in vergleichbaren Industrienationen lassen darauf schließen, dass eine Zahl von mehreren Milliarden Euro pro Jahr durchaus realistisch ist. – bpp

7, 5 + 13,3 = 20,8 Millionen Menschen leben in dem scheinbar hochzivilisierten Deutschland also mit mangelnder Sprach- & Schriftkompetenz. Das ist eine erschreckende Tatsache und eine verdammt traurige Angelegenheit. Nicht nur, daß diese Menschen im Alltag stark behindert sind, auch die schöne weite Welt der Literatur bleibt ihnen wohl für immer fest verschlossen. Ausgesperrt aus dem Paradies des Lesens. Für mich als leidenschaflicher Leser eine Horrorvorstellung. Und der allerorten anzutreffende Phono sapiens und die stetig wachsende Seuche der Facebook-Zombies & Twitter-Junkies lassen auch keine Hoffnung auf Besserung zu. Alles potentielle funktionale Analphabeten von morgen, der Mensch mit Hochgeschwindigkeit unterwegs auf dem digitalen Highway der Verblödung …

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Man sagt oft, daß just wir, die Fernsehgenerationen, einen neuen Analphabetismus entwickeln. Viele von uns schaffen es zwar noch, das Wort „Bier-Klause“ zu entziffern, aber sonst lesen sie kein Wort. Keine Zeitung, kein Buch, nichts. – Urs Widmer

Machen Sie’s anders, machen Sie’s besser.
! Mut tut gut & Gegenwehr ist möglich !

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Du mußt dein Leben verändern.
Rainer Maria Rilke

Funktionaler Analphabetismus

Für mich gibt es heute nichts Anziehenderes
als eine Frau, die liest.
Jonathan Franzen

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Lies die besten Bücher zuerst;
du hast vielleicht keine Gelegenheit mehr,
sie überhaupt zu lesen.
Henry David Thoreau

Rudis neues Wörterbuch

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Was der Sport für den Körper, ist das Lesen für den Geist.
Joseph Addison

Und wenn Sie beim Schmökern gerne gute Musik hören, Bluesdiary hat den Soundtrack dazu.

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Mark Knopfler – Bluebird

Best Blues @ Bluesdiary

When you’re in trouble, the Blues is the man’s best friend.
Otis Spann

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The Blues is the roots and the rest are the fruits.
Willie Dixon

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