Land der Gewohnheit – Roman von Ted Thompson

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Ich muß mit der Gewohnheit brechen,
ehe sie mich gebrochen hat.
Lichtenberg

Was die Bourgeoisie so unter „Leben“ versteht, war noch nie meine Sache. Dieses sedierte Dahindämmern in faden Ehen und putzigen Reihenhäuschen, einigermaßen erträglich nur mit viel Antidepressiva plus Alkohol, ist für mich kein Leben, sondern der Tod vor dem Tod. Man sieht sich besser beizeiten nach was Bess’rem um… Nicht nur die USA ist ein Land der (tödlichen) Gewohnheiten. Keine Glühwein-Lektüre fürs frierende Herzchen, ein Buch zum Frösteln mitten im Winter, ein Buch voller Frust & Frost.

Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.
Franz Kafka

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Der Autor

Ted Thompson wurde 1980 in Connecticut geboren und lebt heute mit seiner Frau in Brooklyn. Er ist Gründungsmitglied von 826NYC, einem gemeinnützigen Schreib- und Unterrichtszentrum in New York. Er war Stipendiat des Iowa Writer’s Workshop und des Ledig House. Seine Erzählungen erschienen u.a. in Tin House , American Short Fiction und Best New American Voices. Land der Gewohnheit ist sein Debütroman.

Das Buch

Möglicherweise war es nicht Anders‘ brillanteste Idee, sich auf der Weihnachtsparty der Ashbys sinnlos zu betrinken. Oder mit deren halbwüchsigem Sohn Charlie Drogen zu nehmen. Aber die Begegnung mit seiner Exfrau und ihrem neuen Partner, ausgerechnet ein gemeinsamer Freund aus Studienzeiten, setzt Anders mehr zu als gedacht, und so endet die Party im Eklat. Dabei hatte er gehofft, dass seine Scheidung eine Befreiung aus einem Leben voller Zwänge sein würde. Was für eine Täuschung. Er bereut seine Entscheidung und will sein altes Leben zurück, doch dort hat niemand auf ihn gewartet. Dann passiert eine Katastrophe und Anders wird gezwungen, sich seinen zertrümmerten Illusionen zu stellen. Ein junger Autor blickt auf die Generation seiner Eltern und fragt, wie ihre Entscheidungen von damals unsere Gesellschaft bis heute prägen. Ein kluges, scharfsinniges und brillant erzähltes Porträt unserer Zeit. – Ullstein

Die Presse

Renitente Väter und missratene Söhne. „Land der Gewohnheit“, das Romandebüt von Ted Thompson, lässt tief in die Seele der amerikanischen Mittelschicht blicken. Ted Thompson hat mit „Land der Gewohnheit“ ein Debüt vorgelegt, das es in seinen besten Momenten mit Richard Yates aufnehmen kann. Das Wichtigste gleich mal vorweg: Der Roman ist mehr als lesbar, er ist von außerordentlicher literarischer Güte, woran auch die vorzügliche Übersetzung von Susanne Höbel ihren Anteil hat. Neben der präzisen Beobachtungsgabe, der Verwendung origineller, nicht allzu überdrehter Sprache, dem Fernbleiben trivialer erzählerischer Elemente und dergleichen mehr wäre vor allem eine Leistung zu loben, die der Autor erbringt: Sein Roman konfrontiert den Leser – höchst unpopulär – mit unharmonischen, wenn nicht deprimierenden Außen- und Innenwelten. – ZEIT

Anders Hill hatte, was alle gern hätten: eine perfekte Frau, zwei Söhne mit beeindruckenden College-Abschlüssen, Haus, Geld, Karriere. Und er hatte das Gefühl unerträglicher Ödnis. Mit Anfang sechzig kündigte er also Ehe und Job. Doch dem Rausch folgen bald Ernüchterung und Reue. Je mehr und verzweifelter er allerdings versucht, sein altes Leben zurückzugewinnen, umso mehr entgleiten ihm Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft … Land der Gewohnheit ist kein Actionthriller, sondern eine tief und immer tiefer dringende Analyse. Die Lebensentwürfe der heute Sechzigjährigen werden auf den Prüfstand gestellt von einem ihrer Söhne: Ted Thompson, Anfang Dreißig. – WDR 5

Anders Hill ist im selbst gewählten Ruhestand nach einer Karriere in der Finanzbranche. Er ist auf eigenen Wunsch frisch geschieden. Und er ist vor allem: verbittert. „Erstaunlich, wie schnell alles in einem Leben zerstört werden konnte“, muss er erkennen – doch einen Weg zurück in sein altes Leben gibt es für ihn nicht. Um diese Hauptfigur lässt der Amerikaner Ted Thompson seinen Debütroman Land der Gewohnheit kreisen. Es ist ein Gesellschaftsroman über die Lebenslügen der Mittelklasse an der US-Ostküste, eine einfühlsam erzählte Familiengeschichte, vor allem aber eine scharfsinnige Betrachtung der Finanzkrise. Thompson, Jahrgang 1980, gehört der Generation derer an, die die Suppe auslöffeln müssen – und er hält der Generation seiner Eltern hier den Spiegel vor. Land der Gewohnheit zeigt, wie durch und durch kaputt alles ist, von der Familie über das Bildungssystem bis zur Wirtschaft. Thompson zeigt vor allem auch, wie sehr wir uns bereits mit diesem Kaputtsein abgefunden haben. Und er zeigt nicht zuletzt, wie es Amerika – trotz aller Krisen – nach wie vor schafft, dieses Kaputtsein als Ergebnis von freiem Wettbewerb und harter Anstrengung zu vermarkten, als erstrebenswertes Vorbild für die Welt. – Shitesite

Ted Thompson

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Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. – Franz Kafka an Oskar Pollak, 1904

Und wenn Sie beim Schmökern gerne gute Musik hören, Bluesdiary hat den Soundtrack dazu.

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Albert Collins – If Trouble Was Money

Best Blues @ Bluesdiary

When you’re in trouble, the Blues is the man’s best friend.
Otis Spann

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The Blues is the roots and the rest are the fruits.
Willie Dixon

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