Die Monotonie des Lebens

Wir laufen wie Automaten durch sinnlose Städte. Wir gehen von einem Geschlecht zum andern – und landen immer im selben Haus. Mit einigen kleinen Varianten sagen wir, mehr oder weniger, immer dasselbe. Wir essen Pflanzen oder Tiere, aber immer nur das Verfügbare; nirgends wird uns der Paradiesvogel oder die Windrose serviert. Wir brüsten uns mit Abenteuern, die ein Computer auf zehn oder zwölf gewöhnliche Situationen reduzieren würde. Sollte also, entgegen allen Reden, das Leben wegen seiner Monotonie zu lang sein? Welche Bedeutung hat es, ob wir ein Jahr oder hundert Jahre leben? Wie der Säugling hinterlassen wir nichts, wie der Hundertjährige nehmen wir nichts mit, weder die schmutzige Wäsche noch den Schatz. Einige hinterlassen ein Werk, das ist wahr. Es wird schön ediert werden. Später, Rarität eines Sammlers. Noch später, Fußnote eines Gelehrten. Am Ende, weniger als ein Name: ein Unbekanntes.

Julio Ramon Ribeyro

Viewed 2199 times by 550 viewers

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.