Cold Spring Harbor – Roman von Richard Yates

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Richard Yates zerstäubt Illusionen, indem er glasklar analysiert, so hart wie brillant, so wahr wie berührend. Große Literatur. – DR Kultur

Welche Illusionen Richard Yates zerstäubt? Zum Beispiel die Illusion, daß Ehe & Familie glücklich machen. Im Gegenteil. Sie machen unglücklich und treiben die Menschen oft in die Fänge des Alkohols, in den Ehebruch, in Lug & Betrug. Mindestens. Gerne auch in den Selbstmord, in Mord & Totschlag. Und bis es soweit ist, macht und lügt man sich und den anderen etwas vor. Man kennt das. Zur Genüge & bis zum Erbrechen. Die kleinen & großen Lebenslügen der Bourgeoisie. Zum Kotzen!

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Copyright : Jerry Bauer

Richard Yates

Richard Yates (geboren am 3. Februar 1926 in Yonkers, New York; gestorben am 7. November 1992 in Birmingham, Alabama) war ein amerikanischer Schriftsteller und Essayist. Als Chronist der amerikanischen Vorstädte der 1950er und 1960er Jahre machte er sich einen Namen. Seine Werke werden mit denen von J. D. Salinger, John Updike und John Cheever verglichen.

Das Buch

Charles und Grace Shepard leben in den 1940er-Jahren im Städtchen Cold Spring Harbor auf Long Island. Sie sorgen sich um Sohn Evan, der nach einer wilden Pubertät und einer früh gescheiterten Ehe nicht recht auf die Beine kommt. Da lernen sie zufällig Familie Drake kennen. Während die trinkfreudige Mutter Gloria Charles anhimmelt, der für sie den Lockruf des »alten Geldes« verkörpert, verliebt sich Evan in Glorias Tochter, die stille, schöne Rachel. Nach einer kurzen Verlobungszeit heiraten sie, doch das Haus in Cold Spring Harbor müssen sie sich mit Gloria teilen …

Ein Roman über Väter und Söhne, Mütter und Töchter, die Liebe und die Fehler der Jugend. Meisterhaft und mit nur wenigen Pinselstrichen gelingt es Richard Yates, »einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts« (FAZ), psychologische Fallstricke, Lebenslügen und Selbstbetrug im Amerika der 1940er-Jahre aufzudecken – und dabei doch immer auch ein Herz für seine Figuren zu haben. – Verlagsinfo

Die Leser

Richard Yates (1926 bis 1992) gilt als einer der ganz großen Schriftsteller Amerikas. 1966 landete er mit seinem ersten Roman „Revolutionary Road“ (deutsch: „Zeiten des Aufruhrs“) einen Erfolg.

„Cold Spring Harbor“ ist Yates‘ letzter Roman. Er erschien 1986 und liegt jetzt erstmals in deutscher Übersetzung vor. Auch dieses Buch ist eine Entdeckung. Sprachlich genau, schonungslos in der Beobachtung, messerscharf in den Details, schreibt Yates eigentlich eher große Erzählungen, immer nah an den wenigen Personen, die allesamt unglücklich sind und es auch bleiben werden. Richard Yates zerstäubt Illusionen, indem er glasklar analysiert, so hart wie brillant, so wahr wie berührend. Große Literatur. – DR Kultur

Das Leben endet immer in einer Sackgasse. Mit ihren hochfliegenden Träumen rasen die Figuren in allen Geschichten von Richard Yates (1926–1992) in Richtung Desillusion. Keine Ironie winkt vom Straßenrand und heitert sie auf – höchstens noch das Klirren von Eiswürfeln in Whiskeygläsern und die „funkelnde Fülle eines weiteren Drinks“ bei einem kurzen Stopp oder ein ehebrecherischer Quickie in einem schäbigen Motelzimmer, der ihr Selbstwertgefühl für einen lüsternen Augenblick hebt. – Rolling Stone

Keiner schrieb so meisterhaft über das Scheitern amerikanischer Mittelstandsträume wie Richard Yates. „Cold Spring Harbor“ ist ein weiteres stilles Meisterwerk des verstetigten Scheiterns, das wie in Zeitlupe vorüber zieht. Verblassende Träume, versiegende Chancen, der Wille, aus der familiären Misere herauszukommen – die Themen werden in dem 1986 im Original erschienenen Mehr-Generationen-Roman auf gewohnte Weise in unerbittlich, aber nicht ohne Sympathie beschriebener Tristesse gesetzt.

Mit Charakteren wie Grace und Charles als Tragöden des Alltags, die die eigene Ziellosigkeit an ihre Kinder vererben. In einer durchlässigen Gesellschaft, in der nach dem unbedingten Glauben der Amerikaner jeder das werden kann, was er werden will, lauert schon nach der High School der Diner oder die Werkzeugmaschinenfabrik. Die in ihrer Trostlosigkeit faszinierendste Figur in „Cold Spring Harbor“ ist Gloria Drake, eine vom ewigen Aufstiegsglauben beseelte, alleinerziehende Mutter mit Standesdünkel, auch sie eine Trinkerin. Im nicht enden wollenden Geplapper beim geselligen Zusammensein mit vollen Gläsern schwätzt sie die Leere ihrer Existenz hinfort. – Spiegel

Alle Erzählungen und Romane des amerikanischen Schriftstellers Yates handeln von der Tyrannei des amerikanischen Traums. Dem Versprechen, dass jeder alles erreichen könne, misstraute Yates zutiefst. Seine Helden sind die mittelmäßig Begabten, die sich bald in den Selbstbetrug flüchten und in immer noch einen Drink, weil in der Allgegenwart der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten die eigene Begrenztheit besonders schwer zu ertragen ist. Der Arbeitstag im Großraumbüro unter anderen Anzugträgern, der Alltag als Hausfrau in einem genormten Vorstadthäuschen mit einander zum Verwechseln ähnlich sehenden Kleidern, Kindern und Grillpartys. – Spiegel

Wäre dieser Roman ein Gemälde, dann eines von Edward Hopper. Nicht weil er auf Long Island spielt und also am Meer, das Hopper so oft gemalt hat, sondern wegen der unerfüllten Sehnsüchte, die hier wie dort die Figuren befeuern – und deren Erlöschen Yates stoisch protokolliert. Getreu der Devise, dass eine Geschichte erst dann erzählt ist, wenn sie die schlimmstmögliche Wendung genommen hat. – SZ

Was haben wir nicht alle für Lebenspläne. Eine Weltumsegelung, den Doktor-Titel, Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen. Wir machen Ideen für unser Dasein auf Erden, als ob sie wie auf einer Liste nur nach und nach abgehakt werden müssen. Wir ahnen nicht, dass wir auf Hindernisse stoßen könnten, zu denen das Leben selbst gehört. In seinem Roman „Cold Spring Harbor“ erzählt der Amerikaner Richard Yates von Menschen, die Großes wollen, aber schlichtweg im Alltag versumpfen. – Zeichen & Zeiten

Es gibt Schriftsteller, die umkreisen in ihren Werken immer wieder dieselben Themen. Und dennoch wird man ihrer nicht überdrüssig. Ganz vorne auf dieser Liste steht für mich Richard Yates. Seine Bücher sind Variationen seiner Lebensthemen: Übermächtige, meist psychisch angeschlagene Mütter, zerrüttete Ehen, traumatisierte Kinder. Gescheiterte Lebensentwürfe, verlorene Illusionen, vernichtete Träume. Zerbrochene Seelen, Abstürze in Alkohol, Landung in der Psychiatrie.

Den Trost des Kinos – vollständig zu sein und werden zu können – den bietet er einem in seinen Büchern nicht. Yates, Chronist der amerikanischen Mittelschicht, der „kleinen Leute“ mit großen Ambitionen, ist ein gnadenloser Realist. Er erzählt vom Scheitern – manchmal, so wie in „Zeiten des Aufruhrs“, enden Lebenslügen dramatisch-tödlich, manchmal, so wie in „Cold Spring Harbor“, liegt der Schrecken „nur“ in den Banalitäten des Alltags. – Sätze & Schätze

Wenn Richard Yates die hochtrabenden Ambitionen seiner Protagonisten verspottete, rechnete er stets auch mit seiner eigenen Hybris ab, war er doch selbst bloß ein erfolgloser Schriftsteller. In „Cold Spring Harbor“ scheitern die Figuren jedoch bereits am einfachen Traum von einem besseren Leben, und das macht seinen letzten Roman umso grausamer. Angesichts seiner Biographie ist diese Resignation wenig überraschend: Auch abseits der Literatur war ihm ein gelungenes Leben nicht vergönnt. Dass Richard Yates nun posthum (und zurecht) als einer wichtigsten und besten amerikanischen Autoren seiner Zeit gilt, ist bitter. Aber es wäre eine Pointe ganz nach seinem Geschmack. – Frank O. Rudkoffsky

Richard Yates

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Je mehr ich las, um so enger wurden meine Beziehungen zur Welt,
um so leuchtender und bedeutsamer wurde für mich das Leben.
Jedes Buch war wie eine kleine Sprosse,
über die ich vom Tier zum Menschen aufstieg.
Maxim Gorki

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