Paul Kalanithi : Bevor ich jetzt gehe – Was am Ende wirklich zählt – Das Vermächtnis eines jungen Arztes

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Geld, gesellschaftlicher Status, all die menschlichen Eitelkeiten, haben so wenig Sinn – das alles ist bedeutungslos. – Paul Kalanithi

Mit 36 Jahren wird bei Paul Kalanithi Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert. Von heute auf morgen wird der Arzt selbst zum Patienten, der um sein Leben kämpft. Er verlor den Kampf und starb am 9. März 2015 mit 37 Jahren – in einem Krankenbett kaum 200 Meter entfernt von der Entbindungsstation, auf der acht Monate zuvor seine Tochter geboren wurde. Das Leben ist tot – es lebe das Leben!

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Paul Kalanithi war Neurochirurg und Autor. In Stanford studierte er Englische Literatur und Biologie, in Cambridge Wissenschaftsgeschichte und Philosophie bevor er anschließend die Yale School of Medicine absolvierte. Zurück in Stanford machte er seine Facharztausbildung und forschte im Rahmen eines Postdoc-Stipendiums, wo er mit dem höchsten Nachwuchsforscherpreis der American Academy of Neurological Surgery ausgezeichnet wurde. Er starb im März 2015 mit nur 37 Jahren, während der Arbeit an seinem Buch. Er hinterlässt seine Familie, seine Frau Lucy und ihre Tochter Elizabeth Acadia. – Verlagsinfo

Paul Kalanithi sagt

Ich klickte durch die CT-Scans, die Diagnose war eindeutig: Die Lunge war von unzähligen mattschwarzen Tumoren durchzogen, die Wirbelsäule deformiert, ein Leberlappen wie ausradiert. Krebs, der weit gestreut hatte.

Vielleicht werde ich später sterben, als ich heute annehme, aber ganz bestimmt früher, als ich mir wünsche.

Bücher wurden meine engsten Vertrauten – fein geschliffene Linsen, die mir neue Einblicke in die Welt boten. Literatur machte nicht nur die Erfahrungen anderer Menschen für mich zugänglich, sie stellte mir auch umfangreiches Material für moralphilosophische Überlegungen zur Verfügung.

Für viele beginnt mit der Leichensektion die Verwandlung eines sachlichen, respektvollen Studenten in einen abgestumpften, arroganten Arzt.

In der Tat suchen sich 99 Prozent der Menschen ihren Job nach Bezahlung, Arbeitsklima und Arbeitszeiten aus. Aber genau das ist der Punkt: Wenn der Lebensstil an erster Stelle steht, findet man einen Beruf, aber man hat keine Berufung.

Zum Teil hatte ich mir diese Disziplin ausgesucht, um mich mit dem Tod auseinanderzusetzen – ihn zu fassen, zu enthüllen und ihm mit festem Blick in die Augen zu blicken. Die Neurochirurgie faszinierte mich sowohl wegen ihrer Verbindung von Gehirn und Bewusstsein als auch wegen ihrer Verbindung von Leben und Tod. Ich hatte angenommen, dass ein Leben zwischen diesen Polen mir nicht nur die Möglichkeit zu mitfühlendem Handeln geben, sondern mich auch zu einem besseren Menschen machen würde. Dass ich mich soweit nur möglich von kleinlichem Materialismus und selbstbezogenen Banalitäten entfernen und ins Herz der Dinge vorstoßen könnte, zu echten Entscheidungen und Kämpfen um Leben und Tod.

Wo das Skalpell nichts mehr ausrichten kann, hat ein Chirurg nur mehr Worte zur Verfügung.

Ich glaube nicht, dass ich je eine Minute darüber nachgedacht habe, warum ich diese Arbeit machte oder ob es das überhaupt wert war. Denn meine Berufung, das Leben zu schützen – nicht nur das nackte Leben, sondern auch die Persönlichkeit und Würde eines Menschen–, war unantastbar.

Wenn man das Kreuz eines anderen schultert, wird man von dem Gewicht manchmal erdrückt.

Wie wenig wir Ärzte doch verstehen, durch welche Hölle wir die Patienten schicken!

Perfektion ist für uns Menschen unerreichbar, aber wir können daran glauben, dass wir uns ihr stetig annähern können.

Geld, gesellschaftlicher Status, all die menschlichen Eitelkeiten, haben so wenig Sinn – das alles ist bedeutungslos.

Paul Kalanithi : A Neurosurgeon’s Memoirs

Das Buch

Was macht das eigene Leben lebenswert? Was tun, wenn die Lebensleiter keine weiteren Stufen in eine vielversprechende Zukunft bereithält? Was bedeutet es, ein Kind zu bekommen, neues Leben entstehen zu sehen, während das eigene zu Ende geht? Bewegend und mit feiner Beobachtungsgabe schildert der junge Arzt und Neurochirurg Paul Kalanithi seine Gedanken über die ganz großen Fragen. – Verlagsinfo

Die Leser

Was macht ein erfolgreicher Arzt, der die Diagnose Lungenkrebs bekommt? Er rettet seine Ehe, zeugt ein Kind – und schreibt ein bewegendes Buch: „Bevor ich jetzt gehe“ wurde zu Recht ein Bestseller. Dann stirbt Paul Kalanithi, umgeben von seinen Angehörigen, versehen mit den Sakramenten der Liebe, seine Witwe schildert es in ihrem Nachwort. Lucy legt die Tochter, die erst acht Monate alt ist und sich nicht an ihn erinnern wird können, zu ihm ins Bett, „sein geliebtes Baby, das keine Ahnung hatte, dass dieser Augenblick ein Abschied war. Leise sang ich ihr Gutenachtlied für sie, sang es für sie beide, dann hob ich sie vom Bett“, nicht lange danach „atmete Paul ein und mit einem tiefen langen Hauch ein letztes Mal aus.“ Sein Atem ist jetzt in seinem Buch. – WELT
„When Breath Becomes Air“ erzählt ohne Larmoyanz oder Rührseligkeit aus der Ich-Perspektive von einem Leben, das von einer Minute auf die andere aus der Bahn geworfen wird. So brutal, dass es einem die Kehle zuschnürt. Kalanithi schreibt, bis ihm die Chemotherapie die Fingerkuppen zerfrisst. Seine Ehefrau Lucy redigiert die letzten Kapitel. Und bringt das Buch zur Welt. „Eine Sensation“, urteilen die Kritiker. Kalanithi ist eine unverwechselbare Mischung aus Erinnerung, Analyse und Trauerarbeit zu Lebzeiten gelungen. Wer diese kluge und zutiefst humane Meditation über die letzten Dinge in die Hand nimmt, legt sie so schnell nicht wieder weg. Paul Kalanithi hat den Tod nicht bezwingen können. Wie würdevoll er seinen Kampf führte, macht ihn trotzdem unsterblich. – Berliner Morgenpost

Paul Kalanithis Traum war es, zu schreiben. Eines Tages, wenn das Leben nicht mehr so stressig sein würde – denn er dachte, er hätte noch viel Zeit. Doch dann kam alles anders. Der junge Arzt, der hundert Stunden pro Woche arbeitet und vor einer verheißungsvollen Karriere steht, hält sein eigenes CT-Bild in den Händen. Und sieht sofort, dass er Krebs hat. Die Diagnose ist eindeutig, die ganze Lunge ist von Tumoren durchzogen, die Wirbelsäule deformiert, auch die Leber ist befallen: „Ich hatte so viel vorgehabt und war so nahe dran gewesen. Mit der körperlichen Schwächung brachen die Träume und meine Identität in sich zusammen, ich steckte im selben existentiellen Dilemma wie sonst meine Patienten. Der Tod, der mir bei der Arbeit so vertraut gewesen war, besuchte mich jetzt persönlich.“

Der 36-Jährige weiß, dass er nicht mehr viel Zeit hat und beginnt zu schreiben. „Bevor ich jetzt gehe“ ist ein ehrlicher und mutiger Blick auf das Leben – und vor allem auf dessen Endlichkeit. In den USA wurde das Buch zum Lieblingsbuch der Leser, von dem alle sagen, man muss es gelesen haben. Jetzt liegt der Nummer-Eins-Bestseller auf Deutsch vor. Bis zuletzt arbeitete er an seinem Buch, das  kein Buch übers Sterben geworden ist, sondern ein Buch über das Leben und die Frage, wie man es sinnvoll führen kann. „Bis zum Schluss“, schreibt seine Frau, „blieb er offen und voller Hoffnung – nicht auf eine Wunderheilung, aber auf Tage voller Sinn und Zweck.“ Mit ihrem Nachwort endet dieses kurze und unvergessliche Buch. Sein Autor lebt darin auf beeindruckende Weise weiter. Unbedingt lesen! – ZEIT

Zeit sei für einen Krebspatienten etwas Zweischneidiges, erklärt Kalanithi. Naheliegende Reaktion auf das Wissen um den baldigen Tod sei, sich in Aktivität zu stürzen, das verbleibende Leben voll auszukosten, zu reisen, alles zu erledigen, was man schon immer tun wollte. „Doch eine der grausamen Begleiterscheinungen von Krebs ist nicht nur, dass er die Zeit begrenzt, sondern auch die Energie, und damit reduziert er das Pensum, das man in einen Tag pressen kann, beträchtlich“, schreibt er. „An manchen Tagen lebe ich lediglich weiter.“
„Bevor ich jetzt gehe“ ist ein berührendes Buch, allein schon, weil es ein so junger Mensch ist, der aus dem Leben geht. Spürbar ist auch, dass es ein Konstrukt ist, kein fertiges Ganzes. Immer wieder wird deutlich, wie sehr Paul Kalanithi mit seinem Schicksal hadert, auch wenn er diese Reaktion zu unterdrücken sucht. Wie sehr er dabei schlingert, den richtigen Weg für den kleinen Rest seines Lebens zu finden. „Er hat einen großen Teil seines Lebens mit der Frage gerungen, wie man ein sinnvolles Leben führt“, schreibt Kalanithis Frau Lucy auf den letzten Seiten. Das Schreiben des Buches dürfte Teil dieses Ringens gewesen sein. – Focus
Muss das wirklich sein, noch so ein Buch? Über Krebs und Tod? Nein, muss es nicht. Aber es tut unendlich gut. Vielleicht, weil dieser Mann und seine Familie trotz all des Schlimmen so mutig ist. Weil Paul Kalanithi nicht zerbricht an seinem Schicksal, sondern ein neuer Paul Kalanithi wird, einer, der mehr er selbst ist. Einer, der über sich und sein Schicksal hinaus wächst. Weil er seine eigene Antwort auf die Frage findet, die alle umtreibt: Was macht das Leben eigentlich lebenswert? Und wie nutze ich die Zeit, die mir geschenkt wird, sinnvoll? – Handelsblatt

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Wörter sind langlebig – ich bin es nicht.
Paul Kalanithi

Paul Kalanithi

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Jedes Leben ist Ein Todesurteil.
Rudi Lehnert

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Tindersticks – Dying Slowly

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