Solches Tun nenne ich Arbeiten

Solches Tun nenne ich Arbeiten

Der Mensch lebt nur kurze Zeit. Verhängnisvoll ist, sich einzubilden – genauer: die kindliche Einbildung zu bewahren -, daß wir lange leben. Alles würde, wenn wir bei Zeiten von der Kürze unseres Lebens wüßten, sehr geändert sein.

Nun sieht unser Leben von der Kindheit aus gesehen freilich lang aus; von seinem Ende aus unerhört kurz; welches ist seine reale Dauer? Sie hängt davon ab, wie oft und von wie früh an du dein Leben als kurz betrachtet hast.

(Denn nicht die Uhr mißt die Länge eines Lebens; sondern das, was drin war.)

Alles, was wir handeln, muß, wenn es Wert haben soll, vom Betrachtungspunkt der Kürze unseres Lebens gehandelt sein.

Stehen wir nicht da, so werden wir, auch wenn wir scheinbar tätig sein sollten (äußere Gewalten treiben uns zumeist zu einer scheinbaren Tätigkeit und lassen uns ihr nicht mehr entrinnen), vorwiegend in immerwährender Erwartung leben; stehst du aber da, so willst du vor allem andern selber noch rasch etwas tun (- und mit einem ganz andern Ernste, als jenes Tun geschieht, in dem dich fremde, äußere Mächte gefangen halten). Es ist aber etwas tun und solches Tun – eigenes Tun, zu dem dich nicht fremde äußere, sondern innere Gewalten nötigen -, das einzige, was Leben gibt, was retten kann.

Solches Tun nenne ich Arbeiten.

Ludwig Hohl

Die eigene Arbeit und die tote Beschäftigung

Die eigene Arbeit und die tote Beschäftigung

Worin besteht denn eines Menschen Wert, in dieser Welt, wo alles schwankt?

Wie würde man es aber verstehen, wenn ich sagte, „des Menschen Wert liegt im Arbeiten“ – heute, wo man zehn Stunden sich im Kreise drehen oder den Fußboden so lange reiben, bis er weg ist, als Arbeiten auffaßt?

Man darf nicht enden, darauf aufmerksam zu machen, daß die meisten Menschen sich vor dem Arbeiten flüchten nicht in die Faulheit, sondern in eine total tote Beschäftigung; nicht in die Bewegungslosigkeit… die wahre heutige Faulheit besteht in einer toten Bewegung.

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Vom Arbeiten

Vom Arbeiten

Kein Mensch kann gleichzeitig an mehreren Stellen arbeiten. Um abzustoßen, muß man einen Widerstand leistenden Boden haben. Wenn der Monteur sich auf einer Leiter zur Decke des Zimmers erhebt, um dort etwas zu verändern, darf nicht zugleich unter den Füßen der Leiter etwas verändert werden, oder dann muß man gefaßt sein, daß der Monteur stürzt. Während die eine unserer Bewegungen verändernd, schöpferisch – das heißt Arbeit ist -, müssen die anderen Bewegungen unseres Alltags mechanisch geschehen – das heißt das Gegenteil von Arbeit sein -, damit sie die das Arbeiten ermöglichende Basis bilden. Es kommt darauf an, daß wir unsere Kräfte vereinigt nach einer Stelle lenken – derjenigen, wo wir unser höchstes Resultat bringen können -; und daß wir an die andern Stellen, wo auch gewisse Bewegungen (sekundäre Dienste) nötig sind, keine Kräfte hinfließen lassen, oder das Minimum von Kräften: was eben heißt, daß unsere gewöhnlichen Alltagserledigungen mechanisch geschehen sollen.

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Ein bißchen Stricken genügt da nicht

Ein bißchen Stricken genügt da nicht

Es fehlt „in unserer innersten Seele“, möchte ich sagen, an farbigen Bildern: das ist unser Übel. Und unsere Entscheidung ist das: welchen Weg wir, diese farbigen Bilder zu erlangen, einschlagen. Da gibt es wirklich nur einen Weg, und hundert falsche. (Die meisten falschen bestehen darin, irgendeine Art Glück zu erhoffen, auf Glück irgendwie zu warten.) Der richtige Weg ist die Entfaltung der vollsten Tätigkeit, die uns möglich ist. Der vollsten: an unserem Vermögen (unseren Bedingungen) und an der Wirkung auf andere (uns wie andere) gemessen. Ein bißchen Stricken genügt da nicht (oder es müßte, dem es genügte, ein trauriges Wesen sein). Hindern dich die Umstände an der Entfaltung deiner Tätigkeit? Dann wirke auf die Änderung der Umstände hin und du hast darin deine Tätigkeit.

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Du habest die große Idee, dein Leben zu ändern

Du habest die große Idee, dein Leben zu ändern

Das menschliche Arbeiten, das weltverändernde Wirken, vollzieht sich in drei Stufen. Diese sind:

1. Die große Idee.

2. Die (der großen Idee entsprechenden) Einzelvorstellungen; anders gesagt: die Applizierung der großen Idee, ihre Auflösung in kleine Ideen, Ideen des Einzelnen.

3. Die (den Einzelvorstellungen entsprechenden) Einzelausführungen.

Kurz gesagt: Die große Idee, die kleinen Ideen, die kleinen Taten.

Und leider bleiben die meisten Menschen stets auf der ersten dieser drei Stufen stehen; bleiben stehen bei der großen Idee oder ihr gegenüber auf einer Art Aussichtspunkt; die Sache bekommt dann die Farbe und den Rang des „Idealismus“, der Phantasterei.

Als Beispiel untersuchen wir die große Tat, die in der Errichtung eines ungewöhnlichen Bauwerkes besteht: Du hast die großartige Idee eines Gebäudes – die Vision eines großartigen Gebäudes (und wer sah nicht einmal in seinen Träumen einen erhabenen Bau, sei es Palast oder Kathedrale?); das ist die erste Stufe. Und ist die, auf der die Allgemeinheit stehen bleibt, sich ein bequemes Verhältnis bildend mit der Vision, der man den Namen „Ideal“ verleiht und die weit entfernt, gegenüber und geschieden liegt von dem, was die Menschen ernst nehmen.

Du setzest die große Idee um in Einzelideen (die gar nicht groß sind!); das ist die zweite Stufe und die, die schon selten erreicht wird: so ist die und so die Mauer, so das Dach und so die Schwelle; 20 cm, 85 cm, 2 m 65, 7 x 33, Winkel von 42 Grad. Dies alles aber – keiner entrinne! – müssen Maße sein eines Gebäudes, das der großartigen Idee entspricht, nicht irgendeines Hauses! Die Schwelle ist nicht irgendeine Schwelle! Dicke der Mauer, Länge jedes Balkens, alle Maße müssen zusammenstimmen, zusammen aber das großartige Gebäude ergeben, nicht irgendein Gebäude.

Dann führst du aus, Schwelle, Mauern, Türen, alles so, wie die Einzelideen vorzeichneten (und das „Zeichnen“ kann ja hier im buchstäblichen Sinn verstanden werden). Das ist die dritte Stufe. Dieses Ausführen besteht, wie jeder weiß, in lauter kleinen Taten, zahllosen, mühsamen, gewöhnlichen. Wenn nun alle kleinen Taten beendet sind, Fenster eingesetzt und Geländer angebracht, bleibt da noch die große Tat zu tun, worin bestünde sie?

Mag diese Lehre den wenig Denkenden banal erscheinen; ich glaube, daß sie den Jünglingen immer wieder zu bringen nicht von einer gewissen Nützlichkeit, sondern einer ungeheuren Bedeutung ist; und daß darin vielleicht mehr als in irgend etwas anderem die Liebe zu den Menschen liegt. Nichts anderes als diese Lehre ist es, was sich durch Goethes Werk, jedenfalls des alten Goethe Werk, hindurchzieht als die dominierende Linie. Wer würde die große Tat vollbringen, wenn sie in Wirklichkeit so wie in der Vorstellung der Jünglinge wäre? Es ist nicht so schwer, wir sind nicht so verloren, so vom Zufall abhängig, vom „Glück“; nein, wir können ungefähr das herausbringen, was wir sind. („Wer immer strebend sich bemüht…“)

„Die Höhe reizt uns, nicht die Stufen; den Gipfel im Auge wandern wir gerne auf der Ebene.“ Wer aber würde den Gipfel erreichen, wenn er es in einer großen Tat, d.h. ohne die Stufen, ohne die Schritte (also in einem Sprunge) vollbringen müßte? – Wer ihn erreicht hat über die Stufen, muß der noch die große Tat tun?

Ach ja, das alles (von der Dreistufigkeit) sei ja längst bekannt, hundeeinfach, klar wie Wasser, sagt man mir. (Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß die Unterhaltung mit Herrn Meyer, dem Apotheker, geführt wird.)

Genügend bekannt, einfach?
Natürlich. (Er rümpft die Nase, schaut hochfahrend und ermüdet.)
Vollständig klar, und wahr, und einfach? Realisierbar also?
(Er macht eine stumme Bewegung.)
Warum bist du dann so ein Stümper geblieben?

Dieser hielt sich ans Einzelne und änderte das All. Jener predigte das Universale und änderte weder das All noch das Einzelne.

Ich scheue mich nicht, es noch einmal zu wiederholen: Es gibt nicht, nach den genannten drei Stufen, noch eine große Tat. Und das ist der Satz, den ich an dieser Stelle in Stein geschlagen haben möchte, nicht geschrieben auf Papier.

Daß es, viertens, noch die große Tat gebe, das ist der Wahn, der Wahn, der unter den Menschen am meisten Unheil gestiftet hat. Nur wer nicht länger nachdenkt, ermißt das nicht. Warum ist Ernst Schmetterling eine so traurige Sache, so nichtig, so wertlos? Er sagt: „Ja, wenn alle Menschen… tun würden (nicht in den Krieg ziehen, ein anderes Leben führen und dergleichen), so aber – was kann einer. (Wenn die große Tat geschehen wäre, geschähe, geschehen würde, dann, ja…)“ Und er bleibt Ernst Schmetterling, eine so traurige Sache, so nichtig, so wertlos. (Ein Mann, der, wie die meisten andern, nicht das Geringste tut, nicht das Kleinste ändert, von dem nichts zurückbleibt.)

Ernst Schmetterling ist ein Mann, der nicht teilnimmt an der Welt und von dem folglich, wenn er gestorben ist, nichts zurückbleibt. Und die große Idee hatte er indessen, Ernst Schmetterling, er hatte die volle Sehnsucht! Wir können nicht teilnehmen an der Welt durch die große Idee, durch die volle Sehnsucht. Es ist nicht möglich.

Noch einmal:
Die große Idee,
Die kleinen Ideen,
Die kleinen Taten,
– und keine vierte Stufe, nichts anderes mehr.

Du habest die große Idee, dein Leben zu ändern (und haben nicht die meisten sie?); so laß die große Idee zerfallen in die ihr entsprechenden Teil-Auffassungen (wie viele gelangen so weit?); tue diese einzelnen Dinge (langsam, im Maße deiner Möglichkeiten, deiner Kräfte nur, eins nach dem andern): Dein Leben ist geändert.

Ludwig Hohl

Sinntankstelle Bibliothek 24/7 geöffnet

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Lest nicht, wie die Kinder, zum Vergnügen,
noch wie die Streber, um zu lernen,
nein, lest, um zu leben!
Gustave Flaubert

Gerade habe ich in der Eisbrecher-Bibliothek wieder ein paar Texte publiziert, denen ich eine unendliche Verbreitung wünsche. Warum? Weil sie uns leben und lieben lehren, bevor es zu spät ist. Also stelle ich hier jetzt mal einen Kanon lebensphilosophischer Klassiker auf, die jeder immer und immer wieder lesen sollte, der es mit seinem Leben erst meint und sich und sein Leben nicht verkümmern und verkommen lassen will.

Wenn Ihr Leben also mal ins Stocken gerät oder Ihnen gar der gesamte Sinn abhanden gekommen ist, finden Sie im Eisbrecher.Net(zwerk) Tag und Nacht Hilfe, die Eisbrecher-„Notaufnahme“ ist 24/7 mit hochkarätigen Geistern aus Literatur und Philosophie für Sie besetzt. Surfen Sie also einfach an meiner Sinntankstelle vor und tanken Sie Mut, Kraft und Zuversicht nach. Diese PsychoPower pur gibt’s sogar kostenlos. Der Sprit für Ihren Ferrari-Clone oder Harley Davidson-Verschnitt ist da erheblich teurer.

Endlos ist die Nacht des Leids; doch wer in der Dunkelstunde seines Mitmenschen auch nur eine Kerze entzündet hat, hat nicht umsonst gelebt. — Zenta Maurina

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in meiner brandneuen Eisbrecher-Bibliothek. Die alte Bibliothek hatte ich am 30. Juli 2006 mit WordPress 2.05 englisch angelegt und in den knapp sieben Monaten bis bis zum 9. Februar 2007 in ihr immerhin stolze 691 Texte und Zitate veröffentlicht. Nun wollte ich sie auf WordPress 2.11 deutsch umstellen, was mir aber trotz zahlreicher Versuche nicht gelang, es erschien wie von einem unsichtbaren digitalen Teufel verhext immer wieder das alte WordPress 2.05 in Englisch. Und das obwohl ich alles richtig gemacht hatte, denn immerhin habe ich meine anderen vier Blogs problemlos auf WordPress 2.11 deutsch aktualisiert.

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