Kinder enthalten das Ideal der Menschheit

Kinder enthalten das Ideal der Menschheit. Während sie das scheinbar Sinnlose tun, spielen, werken, streunen, sieht man darin nicht die Bautätigkeit von Persönlichkeiten, die einmal Briefträger, Dienstleister, Formel1-Fahrer werden. Natürlich sagt man nicht: Da geht der werdende Trickbetrüger, Hochstapler, Jahrmarktschläger, der Urologe, der Feldwebel. Wir wollen uns Kinder „rein“ vorstellen, vorhistorisch. Lieber machen wir für ihr Abweichen und Abirren eine widrige Umwelt, schädliche Einflüsse, Traumata verantwortlich, lauter Kräfte, die eine Persönlichkeit abrupt verändern, stören, vom Pfad abbringen können, der nie ein Pfad ist. Kinder werden gedacht als die Blaupausen zu idealen Lebensmöglichkeiten, nicht als tickende Zeitbomben eines vor der Selbstentfaltung zum Amoklauf stehenden Homunkulus.

Roger Willemsen

Aus dem jungen Körper tritt der alte

Aus dem jungen Körper tritt der alte, die Ermüdungen, die Runzligkeiten – sie sind alle schon drin, emanzipieren sich langsam ins Freie und verdrängen die junge Hülle. Also entwickelt sich nicht jemand auf sein Greisenalter zu, sondern der Greis behauptet sich endlich gegen die Unreife, die ihn fesselte.

Roger Willemsen