Mein Weg

Ich lese keine Romane, ich studiere die Liebe lebendiger Menschen bis ins letzte Mark, ich verfolge ihre Spuren in Florenz, ich lese ihre Briefe, ihre Tagebücher. Ich suche nämlich ein Modell für meine Liebe. Eleonora Duse? Elisabeth Browning? Ich bin erschreckt, begeistert und beglückt über die Kraft und Differenzierung des Gefühlsreichtums, der mir entgegenströmt, aber ich bin nicht beraten, von keinem Beispiel und von keinem Vorbild. Den Weg, den ich gehen muß, ging niemand vor mir, niemand wird ihn nach mir gehen können.

Zenta Maurina

Die Nähe eines Leidüberwinders

Meine mitteilsame Natur verlangte nach einem Menschen, nicht nach irgendeinem, sondern nach einem, an dessen Geisteskraft ich mich aufrichten konnte. In der Nähe eines großen und reinen Menschen, der selbst viel gelitten und überwunden hat, fällt das Atmen leichter und der Schmerz peinigt weniger. Gewiß konnte ich mir Beethovens Heiligenstädter Testament aufsagen, jene glühenden Worte, die er im Alter von achtundzwanzig Jahren niederschrieb, als er einsehen mußte, daß er sein Gehör, einen Sinn, den er in der größten Vollkommenheit besaß und der für ihn der allerwichtigste war, nicht wiedergewinnen würde. Auch ich war jetzt achtundzwanzig Jahre alt und hatte diese Appassionata während einer Krankheit auswendig gelernt. Aber noch mehr als das stärkste und wahrste menschliche Dokument richtet uns die lebendige Nähe eines Leidüberwinders auf. Es gibt Bücher, die wahrhaft Tröster sind, aber der Händedruck eines zart mitfühlenden Menschen wiegt Bände auf.

Zenta Maurina

Durch heitere Geselligkeit müßt ihr lernen

Seht, liebe Kinder, was wäre ich denn, wenn ich nicht immer mit klugen Leuten umgegangen wäre und von ihnen gelernt hätte? Nichts aus Büchern, sondern durch lebendigen Ideentausch, durch heitere Geselligkeit müßt ihr lernen.

Goethe

Der Mensch also muß gebessert werden

Ich sehe wohl ein, daß manches in der Welt anders sein könnte und sein sollte; und daß eine Besserung nicht unnötig wäre; nur kommt es mir so vor, daß die äußern Einrichtungen es allein wohl nicht gar täten. Es gibt Republiken, und doch sind dort Mißvergnügte. Also am Menschen liegt es. Dem ist nichts gut und nichts recht; der will immer etwas anders und etwas neues; will immer bauen und bessern; ist immer nicht reich, nicht mächtig, nicht geehrt genug; und der macht gute Einrichtungen schlecht und schlechte gut.

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Der Aufbau des Menschen ist mein Ziel

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Der Aufbau des Menschen ist mein Ziel. Dafür kann ich nichts entbehren, was außer mir und in mir ist, wenn es in mein Blick- und Tatfeld dringt und mir in seiner Einzigkeit und Ewigkeit sich anbietet.

Rudolf Pannwitz