Kein Autor schreibt, was er will, sondern was er kann

Kein Autor schreibt, was er will, sondern was er kann. Das Schreiben bietet die beste Möglichkeit, sich der eigenen Dummheit zu vergewissern. Dauernd stößt der Schreibende auf Dinge, die er nicht sein, nicht sehen, nicht auf den Begriff bringen kann. Es gibt einen Moment des Erwachens in dieser Erfahrung, den Augenblick, in dem sich dieser Schreibende seines Scheiterns vergewissert und vom mißglückten Satz zum schadhaften Werk, zur mangelhaften Person, zum nicht geführten Leben kommt. Der Schreibfehler ist darin etwas wie der symbolische Statthalter für das Mißlingen im Ganzen.

Roger Willemsen

Das ist das Eigentümliche an Tagebuchblättern

Das ist das Eigentümliche an Tagebuchblättern, wenn sie echt sind, daß sie keine Ereignisse enthalten. Sobald die Ereignisse ins Leben eingreifen, verlieren sich Freude, Interesse und Zeit für das Tagebuch, und der Mensch findet die spontane Naivität des Kindes oder des Tieres in seiner Wildnis wieder.

Frank Wedekind