Letzter Spaziergang

Vor einem Jahr. Es grünte und blühte sommerzeitgemäß. Erde und Himmel lächelten einander versöhnlich zu, neu gerichtet und gefirnißt standen die Kulissen des ewigen Spiels, nun aufs beste dienend ihrer Aufgabe, Täuschung zu üben und zu verdecken, was dahinter ist. Ein schöner, schöner Tag, erfüllt von Licht und Wärme! In solcher Wärme dehnen sich, dem Naturgesetz der Körper folgend, auch die Gefühle aus. Der Mensch wird zuinnerst angenehm rund und gespannt, wie aufgeblasen von einer zauberischen Materie, die, leichter als Luft, ihn sanft vom Boden hebt. Wunschloses Verlangen durchdringt ihn ganz, seine Seele sättigt sich an ihrem Hunger.

„Letzter Spaziergang“ weiterlesen

Sub specie mortis

Sub specie mortis

An allem können wir zweifeln, an Liebe, Gott und Unsterblichkeit, aber die Wirklichkeit des Todes kann selbst ein Narr nicht leugnen. Trotzdem leben viele, als gäbe es ihn nicht, wir sind im Sichfreuen geizig, im Sichverschenken kleinlich, im Danken knausrig, im Wagnis feige. Das sind die toten Seelen: man ißt, vermehrt und schmückt sich, ohne zu merken, daß man schon gestorben ist.

„Sub specie mortis“ weiterlesen