Wir müssen alle empfangen und lernen

Man spricht immer von Originalität, allein was will das sagen! So wie wir geboren werden, fängt die Welt an auf uns zu wirken, und das geht so fort bis ans Ende. Und überall! was können wir denn unser Eigenes nennen, als die Energie, die Kraft, das Wollen! – Wenn ich sagen könnte, was ich allen großen Vorgängern und Mitlebenden schuldig geworden bin, so bliebe nicht viel übrig. Im Grunde sind wir alle kollektive Wesen, wir mögen uns stellen, wie wir wollen. Denn wie weniges haben wir und sind wir, das wir im reinsten Sinne unser Eigentum nennen! Wir müssen alle empfangen und lernen, sowohl von denen, die vor uns waren, als von denen, die mit uns sind. Selbst das größte Genie würde nicht weit kommen, wenn es alles seinem eigenen Innern verdanken wollte.

Goethe

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Skepsis

Man tut gut daran, die in der eigenen Epoche gültigen Begriffe skeptisch zu betrachten. Ansichten, die in früheren Jahrhunderten als unanzweifelbar richtig galten, sind in unseren Augen geradezu lächerlich falsch. Wir halten die gegenwärtig vorherrschenden Theorien für überzeugend und beweiskräftig und können uns kaum vorstellen, daß sie vielleicht ebenso fehlerhaft sind wie jene anderen, deren Unrichtigkeit uns heute bekannt ist. Es ist möglich, daß sie durchaus nicht mehr Wahrheit enthalten als die im 18. Jahrhundert aufgestellten Hypothesen über die ursprüngliche Vollkommenheit des Menschen.

William Somerset Maugham

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Das dünne Spinnengewebe

Man spreche nichts gegen das dünne Spinnengewebe, das uns und unser Glück trägt; haben wir es aus unserem Innern gesponnen und herausgezogen wie die Spinne ihres, so hält es uns auch ziemlich, und gleich dieser hangen wir sicher mitten drin, und der Sturmwind weht uns und das Gewebe unbeschädigt hin und her.

Jean Paul

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