Sub specie mortis

Sub specie mortis

An allem können wir zweifeln, an Liebe, Gott und Unsterblichkeit, aber die Wirklichkeit des Todes kann selbst ein Narr nicht leugnen. Trotzdem leben viele, als gäbe es ihn nicht, wir sind im Sichfreuen geizig, im Sichverschenken kleinlich, im Danken knausrig, im Wagnis feige. Das sind die toten Seelen: man ißt, vermehrt und schmückt sich, ohne zu merken, daß man schon gestorben ist.

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Einige Regeln der geistigen Hygiene

Einige Regeln der geistigen Hygiene

Zum Schluß einige Regeln der geistigen Hygiene, die ich in langer Lebenserfahrung ausgearbeitet, aber leider nicht immer befolgt habe. Trotzdem tut es gut, sich seine eigenen Gebote aufzuschreiben; ob ins Notizbuch oder auf die Tafel des Herzens, ist nicht so wichtig. Jeder zu Ende gedachte, ins Bewußtsein erhobene Gedanke formt unser Leben. Eine neue Erkenntnis kann mehr als nur unser eigenes Sein verwandeln.

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Kommt und erquickt euch an der Lebensquelle

Kommt und erquickt euch an der Lebensquelle

Fort von Gardine, Teppich, Sofa und Buch – von „der Gesellschaft“ – von Rathaus, Straße, modernem Wohlleben und Luxus – hingeeilt zu dem urtümlichen, sich schlängelnden baumbeschatteten Bach mit seinen unbeschnittenen Sträuchern und grasigen Ufern – fort mit den Binden, zu engen Schuhen, Knöpfen und der ganzen in ihrer Form erstarrten Zivilisation – von den betrügerischen Läden, Maschinen, Ateliers, Amtsstuben, Empfangszimmern ringsum – fort von den Schneidern und modischen Kleidern – von allen Kleidern vielleicht, zumindest im Augenblick, denn die sommerliche Hitze in der feuchten schattigen Einsamkeit dort draußen nimmt zu. Fort, o Seele (laß dich, lieber Leser, aus der Schar der vielen erwählen und mich mit dir völlig frei, ungezwungen, vertraulich reden), für einen Tag und eine Nacht wenigstens, zurück an unser aller nackte Lebensquelle – an die Brust der großen stillen wilden alles in ihre Arme schließenden Mutter. Ach, wie viele sind so abgestumpft, wie viele sind so weit fortgegangen, daß eine Rückkehr fast unmöglich ist!

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Die alten Formen zerschlagen

Die alten Formen zerschlagen und im Zunehmen bleiben ohne Ende

Der Meister erschien zur verabredeten Stunde – ein kurzes Gespräch bei einer Tasse Tee, und dann ging es in den Garten, wo die Scheibe stand. Mit dieser Scheibe war die erste Überraschung verknüpft, die ich gleich zu Beginn mit dem Bogenschießen erfahren hatte: Es war ein Strohbündel von etwa 80 cm Durchmesser, in Augenhöhe auf ein Holzgestell gelegt, und man kann sich vorstellen, daß ich nicht wenig verwundert war, als ich hörte, daß der Schüler im Bogenschießen erst einmal drei Jahre an dieser Scheibe zu üben hat und zwar auf eine Entfernung von drei Metern! Drei Jahre auf drei Meter Entfernung auf ein Strohbündel von 80 cm Durchmesser schießen? Wird das nicht langweilig? Nein, im Gegenteil! Es wird, je mehr man in den Sinn der Übung eindringt, von Tag zu Tag aufregender; denn es kommt gar nicht aufs Treffen an – sondern auf die innere Haltung und durch sie hindurch auf das Voranschreiten auf dem inneren Weg.

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Was ist Aufklärung?

Was ist Aufklärung?

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entscheidung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

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