Jeder ein Wohltäter

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Jeder ein Wohltäter

Was wir vor allem im Leben brauchen, ist jemand, der uns dazu verhilft, das zu tun, was wir können, das zu realisieren, was in uns angelegt ist. Das ist der Dienst, den uns ein Freund leisten kann. Haben wir ihn, so werden wir groß, ohne daß es uns viel kostet.

Wenn die Menschen einander so begegneten, wie sie sollten, jeder ein Wohltäter, ein Sternenregen, jeder ein Strahlungsherd von Gedanken, Taten und Kenntnissen, welche die Umwelt beglücken, würde das hohe Fest der Natur beginnen, auf das alle Entwicklung abzielt.

Ralph Waldo Emerson

Das Weib: Ein lockendes Geheimnis

Das Weib: Ein lockendes Geheimnis

Das Weib, das ich mir schon vorzustellen suchte – (denn es gibt kein Lebensalter, wo man nicht daran denkt: als Kind betrachten wir mit naiver Sinnlichkeit den Busen der großen Mägde, die uns küssen und uns auf ihrem Arm halten; mit zehn Jahren träumt man von Liebe; mit fünfzehn kommt sie zu uns; mit sechzig ist sie noch nicht erloschen, und wenn die Toten unter der Erde etwas denken, so ist es: wie sie in der Tiefe das nächste Grab erreichen können, um das Leichentuch der Abgeschiedenen fortzuziehen und sich ihrem Schlummer zu gatten) – das Weib war also für mich ein lockendes Geheimnis, das mein armes Kinderhirn verwirrte. An dem, was ich empfand, wenn eine von ihnen mich anschaute, fühlte ich schon, daß etwas Verhängnisvolles in diesem erregenden Blick lag, der den menschlichen Willen schmelzen läßt, und ich war zugleich entzückt und erschrocken.

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Was werden wohl die Leute dazu sagen?

Was werden wohl die Leute dazu sagen?

Mit Recht wurden von jeher die großen Geister von dem Haufen beneidet, geschmäht, verleumdet, verfolgt; denn er wußte nur zu gut, daß sie seine Freuden- und Ruhestörer sind, sein Dasein beeinträchtigen und selbst gefährden. Unglück war daher auch der Anteil fast aller großen Männer. Nur mit dem Bewußtsein ihrer Größe entschädigte sie die göttliche Weisheit für die erlittene Schmach und den Verlust irdischer Güter, denn sie bestimmte sie eigentlich nur dazu, den Haufen zu stimulieren, daß er alle seine einzelnen Kräfte zusammenrafft und verbindet, um die lästige und kostspielige Erscheinung eines neuen großen Geistes zu verhüten. Das geniale Wesen des Geistes paßt nun einmal durchaus nicht in die Welt. Glücklich und zufrieden ist der Mensch nur, solange er nicht an seine eigenen Schranken erinnert wird, und eben diese sind es, die er an seinem Gegensatze, der Genialität des Geistes, zu seinem größten Leidwesen zu Gesichte bekommt.

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